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APA-Artikel 20. Jänner 2016

Gesundheitsförderung - Ein bisschen Revolution gefordert

Ein "bisschen Revolution" in der Finanzierung von Prävention und Gesundheitsförderung hat Pamela Rendi-Wagner, Sektionschefin im Gesundheitsministerium, am Mittwoch gefordert. Anlass war die Präsentation des Jahrbuchs "Gesundheit 2015". Tenor der Expertinnen dabei: In Österreich ist schon einiges erreicht, skandinavische Länder liegen aber weit vorne.

Österreich sei mit mehreren Diskrepanzen in diesem Bereich konfrontiert, meinte Rendi-Wagner in der Podiumsdiskussion. So steige die Lebenserwartung, nicht aber die Anzahl der gesunden Jahre der Menschen. Weiters wachsen die Gesundheitsausgaben stärker als die Wirtschaft, und die Ergebnisse des Gesamtsystems seien nicht so gut, wie der Mitteleinsatz erwarten lassen würde.

Die Konsequenz: Man müsse den "Fokus des Kurativen" ein für alle Mal verlassen, sagte Rendi-Wagner. Österreich widme sich sei 2011 systematisch und evidenzbasiert der Gesundheitsförderung, was weit mehr bedeute, als ein gelegentlicher "Gesunder-Apfel-Tag in Amstetten". Wichtig sei die Steigerung der Gesundheitskompetenz vom Kindergarten an und die Verbesserung der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit - und mehr Geld jenseits der eingefahrenen Finanzierungsstrukturen.

Ähnlich sah das die Chefin des Hautpverbands der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller. 80 Prozent der Krankheitslast entstehe durch Umwelt- und Lebenseinflüsse, hier gelte es anzusetzen. Sie hoffe auf Anreizsysteme, betonte sie, räumte aber Auffassungsunterschiede zwischen den Sozialversicherungsträger ein.

"Es ist an der Zeit, sich ein bisschen weniger zu fürchten und mutiger zu werden", rief die Ökonomin Maria Hofmarcher-Holzhacker zu Reformschritten in den Gesundheitsfinanzierungsstrukturen. Das System spiegle noch immer unbearbeitete Konflikte aus der Zwischenkriegszeit wider, spielte sie wohl auf die sozialpartnerschaftliche Aufgabenteilung und das gegenseitige Belauern SPÖ- und ÖVP-naher Player im System an. Für Lacher sorgte ihre Aussage, Österreich sei "vorbildlich in der sozialen Verträglichkeit der Setzung von kleinen Schritten".

Für patientenorientierte Gesundheitssysteme sprach sich Nicola Bedlington, Generalsekretärin des in Brüssel angesiedelten "European Patients Forum" aus. Als positives Beispiel hob sie Bulgarien hervor. Dort gebe neuerdings es eine beeindruckende, tiefe Kooperation der Stake Holder, von der die Patienten tatsächlich profitierten.

Anlass für die Aussagen war die Präsentation des Buches "Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft in Österreich 2015". Dieses vom Pharmakonzern Sanofi Österreich bereits zum siebenten Mal herausgegebene Jahrbuch bietet einen Rückblick auf die Gesundheitspolitik des vergangenen Jahres. Neu ist der stärkere Fokus auf einzelne Themenbereiche, diesmal chronische Erkrankungen, die Gesundheitsreform, Public Health sowie Arzneimittel- und Patientensicherheit.

apa.at

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