zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 13. Jänner 2016

Fortpflanzungsmedizingesetz - Plattform hält Kritik weiter aufrecht

Die Plattform "kinderbekommen.at" hält ihre Kritik auch ein Jahr nach dem Beschluss des neuen Fortpflanzungsmedizingesetzes aufrecht. Gefordert wurden bei einer Pressekonferenz am Mittwoch etwa eine unabhängige Beratung für Betroffene sowie eine umfassende wissenschaftliche Dokumentation zur Fortpflanzungsmedizin. "Nicht alles, was machbar ist, ist ethisch vertretbar", stellte Helmut Kukacka fest.

Die Novelle des Fortpflanzungsmedizingesetzes wurde im Jänner 2015 beschlossen. Es ermöglicht lesbischen Paaren die künstliche Befruchtung, erlaubt die Eizellenspende und die Samenspende bei der In-Vitro-Fertilisation und öffnete der Präimplantationsdiagnostik. Kukacka, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände Österreichs, zeigte sich erfreut, dass zum ursprünglichen Entwurf zumindest einige Verbesserungen und Klarstellungen erreicht werden konnten. Die vier Organisationen hinter der Plattform - neben der Arbeitsgemeinschaft sind dies die aktion leben, der Katholische Familienverband sowie die Katholische Aktion - sehen das Gesetz aber nach wie vor sehr kritisch.

"Es gibt nach wie vor keine verpflichtende, unabhängige Beratung, beraten wird nur von jenen, die Geschäfte damit machen. Das ist ein großer Skandal", so die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Gerda Schaffelhofer. Kritisiert wird weiterhin die Zulassung der Eizellenspende, die Tatsache, dass Kinder, die durch Samen- oder Eizellenspende gezeugt wurden, erst ab 14 Jahren das Recht auf Auskunft über ihre Eltern haben sowie dass es keine Verpflichtung gibt, bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) nur einen Embryo einzusetzen. "Überzählige" Föten werden daher getötet, so Schaffelhofer. Sie sieht durch das Gesetz auch die Tür zur Leihmutterschaft ein Stück geöffnet.

Kukacka sprach sich für eine "Watch Group" aus, um die Umsetzung des Gesetzes zu begleiten. Er verwies auch auf einen entsprechenden Entschließungsantrag im Parlament, der unter anderem die erleichterte Auskunft durch ein zentrales Register und die Information schon vor dem 14. Lebensjahr vorsieht. Verboten bleibe in Österreich etwa die IVF ohne medizinische Indikation, fortpflanzungsmedizinische Maßnahmen für Alleinstehende, weil ein Kind das Recht auf zwei Eltern habe und das "Social Egg Freezing", zeigte sich Kukacka zufrieden.

Auf Information aus dem Gesundheitsministerium zur Umsetzung des Gesetzes drängte Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs. Matthias Beck, Mitglied der Bioethikkommission, forderte generell eine Auseinandersetzung über und neue Forschung zur IVF, auch die psychologischen Folgen dieser sollen untersucht werden.

Als "untragbar und fahrlässig" bezeichnete aktion leben-Präsidentin Gertraude Steindl es, dass das Gesetz keine Trennung von Beratung und Durchführung festlegt. Was Leihmutterschaft betrifft, sprach sie weiters von "Versklavung von Frauen und Betrug an den Kindern". Das Verbot eben dieser sollte daher in der Verfassung verankert werden.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben