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APA-Artikel 13. Jänner 2016

Suche nach resistenten Staphylokokken außerhalb Österreichs Spitälern

Erstmals gibt es relativ harte Daten zum Vorkommen der in Spitälern gefürchteten Staphylococcus aureus-Keime (S. aureus) in der österreichischen Bevölkerung. Eine Studie von Wissenschaftern der MedUni Wien belegt, dass bei Hausärzten 16,6 Prozent von Patienten mit nicht-infektiösen Krankheiten S. aureus in der Nasenschleimhaut als "Kolonisator" aufweisen. Ein Großteil der Keime zeigt Resistenzen.

"In Österreich haben wir in der Allgemeinmedizin bei solchen Daten ein 'Schwarzes Loch'. Wir schauen nur auf die Krankenhausdaten, weil wir keine Daten aus der niedergelassenen Praxis haben - und vergessen gleichzeitig darauf, dass wir sie nicht haben", sagte Manfred Maier von der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin der MedUni Wien gegenüber der APA.

Das gilt neben vielen Bereichen der Medizin auch für die Verbreitung von häufigen Krankheitserregern in der Bevölkerung. Die herkömmlichen Studien laufen fast immer in Krankenhäusern ab. Dort existiert aber eine eigene Bakterien-Flora, oft mit typischen Krankenhauskeim-Resistenzen durch den häufigen Gebrauch von Antibiotika und schwerkranken Patienten mit geschwächter Immunabwehr. Umgekehrt, wie auch Maier bestätigte: Bei Patienten außerhalb der Krankenhäuser werden viel weniger Resistenzen vermutet. Doch genau weiß man das nicht, weil eben kaum regelmäßig durchgeführte Studien in der niedergelassenen Praxis fehlen.

Die österreichische Studie ist Teil der APRES-Initiative in neun europäischen Staaten. Die Daten aus Österreich wurden jetzt in BMC Infectious Diseases veröffentlicht. Sie beziehen sich auf das Vorkommen von S. aureus. Diese Bakterien können auch schwere und lebensgefährliche Infektionen auslösen.

20 über die Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin zum Mitmachen angeworbene Hausärzte baten jeweils 200 auf einander folgende Patienten mit nicht-infektiösen Krankheiten als Grund für den Arztbesuch, einen Nasenabstrich machen zu dürfen. Insgesamt waren es schließlich 3.309 Proben auf Keime und entsprechende Fragebögen.

Insgesamt kam man doch auf ein relativ häufiges Vorkommen der typischen Spitalskeime auch außerhalb der Krankenhäuser. "S. aureus wurde bei 16,6 Prozent der Nasenabstriche identifiziert. 70,1 Prozent waren zumindest gegen ein Antibiotikum resistent, zumeist gegen Penicillin", schrieben Kathryn Hoffmann als Erstautorin und die Co-Autoren. 64,8 Prozent dieser Staphylokokken waren gegen Penicilllin resistent, dann kamen Azithromycin (13,5 Prozent) und Erythromycin (13,3 Prozent). Eine Mehrfach-Resistenz lag bei 13,7 der S. aureus-Stämme vor, eine sogenannte Methicillin-Resistenz (häufig in Krankenhäusern) wurde bei 1,5 Prozent der Proben festgestellt.

Männer wiesen um 60 Prozent häufiger als Frauen eine S. aureus-Besiedelung in der Nase auf. Jüngere Menschen hatten ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, ebenso Personen aus ländlichen Regionen (plus 40 Prozent im Vergleich zur Gesamtgruppe) und im Gesundheitswesen Tätige (plus 50 Prozent). Eine Keimbesiedelung stellt noch keine Krankheit dar, doch sie ist quasi ein Reservoir für Infektionen. Im europäischen Vergleich befindet sich Österreich laut Maier in einer recht guten Situation. Das ist auf die relativ geringe Verschreibungsrate für Antibiotika zurückzuführen. Laut den Autoren sollte aber die Bedeutung der Vermeidung von unnötigen Breitband-Antbiotikagebrauchs betont werden.

apa.at

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