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APA-Artikel 23. Dezember 2015

Innsbrucker Kardiologie: Ex-Leiter bekämpft Abberufung rechtlich

Der unter anderem wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei Honorar-Abrechnungen in die Kritik geratene ehemalige Leiter der Innsbrucker Kardiologie, Wolfgang-Michael Franz, will rechtlich gegen seine am Dienstag erfolgte Abberufung durch das Rektorat der Medizinischen Universität vorgehen. Er werde "alle rechtlichen Möglichkeiten" ausschöpfen, erklärte Franz laut Medienberichten.

Sein Wiener Anwalt Gerald Ganzger meinte im "Kurier" (Mittwoch-Ausgabe), er sehe "sehr gute Chancen". Die Vorgehensweise der Med-Uni schaue nach einer "Vendetta" aus, so Ganzger: "So geht man mit einem Klinikvorstand nicht um." Seinem Mandanten sei keine Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben worden, kritisierte der Anwalt. Der Abberufungsbescheid beinhalte nur schwammige, aber keinen konkreten Vorwürfe. Und diese seien nicht geeignet, eine "Abberufung zu tragen".

Ganzger hat laut dem Bericht als ersten Schritt eine Beschwerde gegen die Medizinische Universität beim Bundesverwaltungsgericht eingebracht. Bekämpfen wolle er auch die Auflösung des Wirtschaftsvertrages durch den landeseigenen Krankenanstaltenbetreiber "tirol kliniken".

Franz selbst sprach gegenüber der "Kronen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) von einem "reinen Akt der Willkür". Er habe sich mit seiner geäußerten Kritik an der "mangelhaften personellen und ressourcenmäßigen Ausstattung des Herzzentrums" für das Wohl der Patienten und die bestmögliche Versorgung eingesetzt. "Dadurch bin ich unbequem geworden - und ich wurde Vorverurteilungen in der Öffentlichkeit ausgesetzt, um mich jetzt durch die Abberufung mundtot zu machen", so Franz, dessen Dienstverhältnis nach wie vor aufrecht bleibt.

Der Endbericht einer unabhängigen Expertenkommission hatte den nunmehr ehemaligen Leiter der Kardiologie laut Med-Uni schwer belastet. Konkret listete die Kommission "organisatorische Mängel" im Führungsverhalten sowie Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Honoraren auf. Franz soll im untersuchten Zeitraum seit 2013 rund 200 ambulanten Patienten der allgemeinen Klasse ohne Rechtsgrundlage Sonderklasse-Honorare gestellt haben. Im ambulanten Bereich gehe es dabei um einen Betrag von rund 50.000 Euro. Zudem hatten die Experten im Bereich "Führung" in allen Belangen Defizite geortet. In Gesprächen mit Mitarbeitern seien Franz unter anderem "mangelnde Paktfähigkeit, Kritikimmunität, Gesprächsverweigerung und fehlende Wertschätzung" vorgeworfen worden.

apa.at

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