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APA-Artikel 22. Dezember 2015

Krebstherapie-Strahlenmisere 3 - Kapazitätsausweitung gefordert

Die Crux an der österreichischen Strahlentherapie-Misere liegt in der Komplexität des Themas. Die Installation neuer Geräte ist aufwendig. Hinzu kommt aber auch, dass das für den Betrieb notwendige Personal an Fachärzten, Physikern und Beschäftigten für die Bedienung ausgebildet werden muss. Fachleute sprachen in der Vergangenheit von mehrjährigen Vorlaufzeiten.

Laut den GÖG-Experten ist auf jeden Fall mehr Personal notwendig: Einerseits durch die Aufstockung der Zahl der Geräte, andererseits auch, wenn eventuell die Schicht-Betriebszeiten verlängert werden. Und schließlich zeigt sich auch bei den Strahlentherapiefachleuten jenes Bild, das den gesamten österreichischen Ärztestand trifft: zunehmende Überalterung. Es falle auf, "dass fast 25 Prozent der Ärztinnen/Ärzte zwischen 50 und 54 Jahren, 20 Prozent zwischen 55 und 59 Jahren und das berechnete Durchschnittsalter 50 Jahre beträgt", stellten die GÖG-Fachleute fest. Radioonkologie-Bundesfachgruppenobmann Robert Hawliczek sagte dazu gegenüber der APA: "Wir sind dabei, ein Mangelfach zu werden."

Der Report fordert jedenfalls wesentliche Verbesserungen bei der Strahlentherapie in weiten Teilen Österreichs: "Vor allem für die Versorgungszonen Ost und Süd (Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Kärnten) ist das Aufstocken strahlentherapeutischer Kapazitäten für eine künftig bedarfsadäquate Versorgung vorzunehmen, ebenso - wenn auch in geringerem Ausmaß - in der Versorgungszone Nord (Salzburg, Oberösterreich; Anm.). (...) Ein allfälliges Aufstocken der Leistungsvorhaltungen bringt auch einen erhöhten Bedarf an im Bereich nötigen Personal mit sich." Derzeit sei in Ostösterreich eine Erhöhung der Zahl der Strahlentherapiegeräte um drei geplant, im Süden Österreichs um zwei. Laut allen Berechnungen des GÖG reicht das aber wohl nicht aus.

Bei der Sitzung der Bundesgesundheitskommission mit praktisch allen Verantwortlichen Anfang Dezember, wurde der offizielle Bericht ohne Einwände zur Kenntnis genommen und für die Umsetzung beschlossen. "Das ist ein positiver Ansatz. (...) Er ist aber nach wie vor ein Papier", sagte dazu Patientenanwalt Bachinger. Er, Bachinger, werde mittel- und langfristig genau beobachten, ob die Situation bei der Strahlentherapie wirklich verbessert werde.

Hawliczek ist ebenfalls vorsichtig. Er sprach von schlechten Erfahrungen mit der Gesundheitspolitik in der Vergangenheit auch am Beispiel Wien. So sei der zusätzliche Bedarf an Strahlentherapie, der jetzt von den GÖG-Experten eindeutig belegt worden sei, bereits vor Jahren in etwa gleich im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) aufgeschienen. Geändert habe sich nichts. Im Wiener Regionalstrukturplan (RSG) habe die Politik die sprichwörtlichen Karten gezinkt und weniger Bedarf vermerkt. Das damalige Kontrollamt der Stadt Wien hätte die Defizite schon 1999 angeführt, passiert sei aber nichts.

apa.at

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