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APA-Artikel 22. Dezember 2015

Krebstherapie-Strahlenmisere 2 - Lange Wartezeiten

Österreichs Krebspatienten dürften jedenfalls vor allem im Süden und Osten des Bundesgebietes im Durchschnitt nicht mit einer Strahlentherapie zum ehest möglichen Zeitpunkt rechnen. Bereits eine erste Datenerhebung für das letzte Quartal 2013 in sieben Krankenhäusern in Wien und Niederösterreich hatte beispielsweise für Brustkrebspatientinnen Wartezeiten von bis zu 65 Tagen ergeben.

"Gesundheit Österreich" ging in seinem neuen Report im offiziellen Auftrag von einer österreichweiten Erhebung der mittleren Wartezeiten auf eine Strahlentherapie aus. Sie ergibt aus der "Zeitspanne (...), die zwischen dem aus medizinischer Sicht (letzt)möglichen Soll-Bestrahlungstermin und dem tatsächlichen Bestrahlungstermin liegt. In Westösterreich zeigten sich die kürzesten Wartezeiten mit bis etwas über fünf Tagen, im Versorgungsbereich Nord (OÖ, Salzburg) erreichten sie höchsten bis um acht Tage, in der Steiermark und in Kärnten bis zu etwa 24 Tage und in Niederösterreich, Oberösterreich und dem Burgenland bis zu knapp unter 30 Tage.

Dazu sagte Patientenanwalt Gerald Bachinger: "Nach dieser Definition dürfte jeder Tag einer solchen Wartezeit eigentlich nicht sein." Der Bundesfachgruppenobmann für Radioonkologie in der Österreichischen Ärztekammer, Robert Hawliczek, hatte im April 2014 zu den damals bekannt gewordenen Wartezeiten gesagt: "Wir verlieren Menschenleben. Jeder Tag, den wir (bei Krebspatienten; Anm.) verlieren, bedeutet schlechtere Überlebenszeiten." Zu den Daten aus dem neuen GÖG-Report erklärte Hawliczek, dass man aus methodischen Gründen nur sehr schlecht Überlebensnachteile eindeutig belegen könne. Klar sei aber: "Ein Tumor wächst exponentiell." Jede Wartezeit auf die Strahlentherapie bedeute für den Tumor "mehr Zeit, um zu wachsen, Resistenzen zu entwickeln und Metastasen zu bilden. Keine Wartezeit muss das Ziel sein."

Ohne ein entschiedenes Gegensteuern der österreichischen Gesundheitspolitik dürfte sich die Situation in den kommenden Jahren nur noch verschärfen. Die GÖG-Fachleute schätzen nämlich für 2020 die Zahl der erfolgenden Krebsdiagnosen in Österreich auf rund 41.300. Die Fachleute kommen auf einen deutlich erhöhten Bedarf: "Unter den getroffenen Annahmen (jährlich 400 Patienten pro Linearbeschleuniger, Ein-Schichtbetrieb und Therapiebedarf bei 62,5 Prozent der Patienten inklusive Wiederbehandlungen; Anm.) wären für 2020/2025 rund 65 Linearbeschleuniger für Österreich erforderlich. Dies würde eine deutliche Kapazitätserweiterung gegenüber dem Ist-Zustand bedeuten (...)."

Das GÖG führt allerdings auch an, dass derzeit schon in Österreich nicht ein Ein-Schicht-Betrieb mit acht Stunden pro Tag in den Strahlentherapie-Anlagen gegeben ist, sondern einer von 1,125 Schichten. Das würde bei Beibehaltung einen Bedarf von 57,3 Linearbeschleunigern für 2020/2025 ergeben, bei Erhöhung auf 1,25-Schichtbetrieb wären es errechnete 51,6 Geräte.

Hawliczek äußerte dazu erhebliche Zweifel. Grundsätzlich sollte man von einem Ein-Schicht-Betrieb ausgehen: "Alles darüber hinaus sollte als Reserve angesehen werden." Und schließlich müssten die Strahlentherapiezentren in Österreich auch für den technischen Ausfall von Geräten ausreichende Ersatzkapazitäten haben. Derzeit sind laut den GÖG-Experten nur acht neue Geräte geplant. Mittelfristig gibt es also in Österreich bestenfalls Chancen, auf 51 Geräte - statt dem errechneten Bedarf zwischen 51,6 und an die 65.

Laut dem Radioonkologen zeigt sich aber durch neue und immer aufwendiger werdende Techniken, dass die Zahl der jährlich pro Linearbeschleuniger behandelbaren Patienten sinkt. Man benötige heute mehr Zeit für die spezielle Lagerung der Patienten und auch mehr Zeit für die Simulation von Therapien, um sie noch exakter ausführen zu können. Laut GÖG waren es 2014 im Mittel 464 Patienten pro Gerät und Jahr, es sollten aber wahrscheinlich nur rund 400 sein. Selbst diese Zahl ist für Hawliczek zu hoch gegriffen. Er geht von optimal wohl nur 350 Patienten pro Jahr und Gerät aus.

apa.at

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