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APA-Artikel 22. Dezember 2015

Krebstherapie-Strahlenmisere in Österreich 1

Österreich hat definitiv eine Krebstherapie-Strahlenmisere. Statt notwendiger 62,5 Prozent der Patienten bekommen nur 51 Prozent eine Behandlung. Im Osten und Süden des Bundesgebietes (Wien, NÖ, Bgld., Stmk., Ktn.) fehlen massiv Bestrahlungsgeräte. Das zeigt eine neue offizielle Bedarfsstudie von "Gesundheit Österreich" (GÖG). Die Bundesgesundheitskommission will die Defizite geändert sehen.

"Das, was die 'Gesundheit Österreich' getan hat, ist eine ausgezeichnete Grundlagenarbeit. Die Gesundheitspolitik hat aufgrund der harten Zahlen eine detaillierte Darstellung, wo die Defizite liegen", sagte der Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger, gegenüber der APA zu dem Report, welcher der APA vorliegt. Ähnlich äußerte sich auch der Bundesfachgruppenobmann für Radioonkologie in der Österreichischen Ärztekammer, der Strahlentherapeut Robert Hawliczek: "Der Bericht zeigt, was wir seit Jahren der Politik auf den Tisch gelegt haben. Sie hat es einfach völlig ignoriert."

Der Hintergrund: Jährlich erkranken in Österreich rund 38.000 Menschen an Krebs. Im Jahr 2020 werden es mehr als 41.000 sein. 2013 schlugen internationale Experten mit Beteiligung der Internationalen Atomenergieagentur IAEO und österreichischer Beteiligung in einer wissenschaftlichen Publikation in "Lancet Oncology" Alarm. Im Vergleich zu 33 europäischen Staaten hätte Österreich einen 19-prozentigen Strahlentherapie-Kapazitätsmangel. Dabei würden 40 Prozent der Krebsheilungen allein durch die Strahlentherapie erfolgen.

Im Anschluss daran ergab sich eine bis Mitte Juni 2014 tobende gesundheitspolitische Debatte in Österreich. Die österreichischen Patientenanwälte sowie die Bundesländer Wien, Burgenland und Niederösterreich verlangten in der Bundesgesundheitskommission die Erstellung einer handfesten Studie zu dem Thema. Das knapp 30 Seiten umfassende Papier liegt jetzt vor. Es wurde am 2. Dezember durch die Bundesgesundheitskommission (Bund, Länder, Städte, Gemeinden, Sozialversicherung, konfessionelle Krankenanstalten, Ärztekammer, Patientenanwälte) angenommen.

Die erhobenen Daten sind mehr als deutlich, was die Defizite und die Verpflichtung zu deren Abschaffung bei den Landesräten und deren Ressorts speziell in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Kärnten betrifft. "Die Erhebungsdaten aus dem Jahr 2014 zeigen, dass in Österreich im Mittel erst 51 Prozent der Krebsinzidenzen (inklusive Wiederbehandlung; Anm.) tatsächlich eine Strahlentherapie erhalten haben", stellen die Autoren von "Gesundheit Österreich GmbH." als offizieller Gesundheits-Think-Tank fest. Ihre Analyse der wissenschaftlichen Literatur hatte ergeben, was in "Lancet Oncology" bereits 2013 nachzulesen war: Rund 50 Prozent der Krebspatienten benötigen primär (auch) eine Strahlentherapie. Zusätzlich benötigen 25 Prozent "aufgrund einer nicht vollständig geheilten Krebserkrankung, Metastasen oder Rezidiven" eine weitere Strahlentherapie.

Freilich, dafür gibt es in Österreich aber gleich in mehreren Bundesländern zuwenige Linearbeschleuniger, die nur in Krankenhäusern mit entsprechenden Abteilungen betrieben werden können. Dafür sind in Österreich eindeutig die Bundesländer als Spitalserhalter zuständig. Die GÖG zitiert einen Vergleich, bei dem die letztgereihten der angeführten 28 Länder wie Albanien und Bulgarien wohl nicht wirklich etwas mit der Situation in Österreich zu tun haben. Diese haben weniger als zwei Linearbeschleuniger pro Million Einwohner. Dänemark bringt es als Spitzenreiter auf rund 9,5, Norwegen und Belgien liegen bei etwas mehr als acht, Schweden kommt auf mehr als 6,5, die Schweiz auf 7,5 Geräte je Million Einwohner. Der zwischen Albanien und Dänemark gebildete Durchschnitt beträgt um die 5,3 Geräte pro Million Einwohner. Österreich liegt knapp dahinter. "Lancet Oncology" hatte 2013 eine Relation für Österreich von 5,1 Geräten pro Million Einwohner angeführt.

Fazit: Mit 43 Linearbeschleunigern insgesamt und der angegebenen Relation zur Bevölkerung liegt Österreich selbst in einem Vergleich unter Hereinnahme armer Staaten Europas auf unterdurchschnittlicher Position. Diese Gerätedichte ist auch noch in den Regionen von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland (Versorgungsregion Ost) sowie der Steiermark und Kärnten (Versorgungsregion Süd) besonders schlecht. Die GÖG-Experten errechneten eine Quote pro Million Einwohner in der Ostregion von 4,7 (Wien, Niederösterreich, Burgenland), eine in der Steiermark und in Kärnten (südliches Österreicher) von bloß 3,7. Oberösterreich und Salzburg (Versorgungsregion Nord) sind da besser (5,1 Geräte je Million Einwohner), Tirol und Vorarlberg (Versorgungsregion West; 6,7) vergleichsweise gut. Für ganz Österreich wird eine Gerätedichte pro Million Einwohner von 4,8 (Stand 31. Dezember 2014) angegeben.

apa.at

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