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APA-Artikel 22. Dezember 2015

CH: Studie über Medikamentenversuche in Thurgauer Psychiatrie

Von etwa 1950 bis in die 1970er Jahre sollen in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen Patienten mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt worden sein. Nun untersucht ein interdisziplinäres Forschungsteam dieses dunkle Kapitel der Psychiatrie im Thurgau.

Der Kanton hat dazu einen Forschungsauftrag vergeben, wie die Thurgauer Staatskanzlei am Dienstag mitteilte. Das Team steht unter der Leitung von Marietta Meier, Privatdozentin der Universität Zürich mit Forschungsschwerpunkt Wissenschafts- und Psychiatriegeschichte.

Dieser Tage erschien Meiers Habilitationsschrift "Spannungsherde", die sich mit psychochirurgischen Eingriffen nach dem zweiten Weltkrieg befasst. Für die Studie habe die Historikerin auch Quellenmaterial aus dem Thurgauer Staatsarchiv ausgewertet, heisst es in der Mitteilung.

Dem Team gehören daneben zwei Fachleute aus der Psychopharmaka-Forschung, ein weiterer Historiker, ein Doktorand und ein beratendes Gremium an. Ab Frühjahr 2016 sollen eine Hauptstudie und zwei akademische Schriften entstehen. Die Thurgauer Regierung hat dafür 750'000 Franken aus dem Lotteriefonds gesprochen.

Beleuchtet werden sollen die klinische Psychopharmaka-Forschung in der Klinik in Münsterlingen und die Verantwortlichkeit der vorgesetzten Behörden und der pharmazeutischen Industrie.

Für die Versuche verantwortlich war der damalige Direktor der Klinik, Roland Kuhn (1912-2005). Er soll zusammen mit seinem Oberarzt in den 1950er- bis 1970er Jahren Patienten mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt haben.

Nach kritischen Medienberichten übergaben Kuhns Erben dem Kanton Thurgau den Nachlass vor zwei Jahren, damit die Vorwürfe auf einer möglichst breiten Quellenlage geklärt werden können.

apa.at

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