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APA-Artikel 21. Dezember 2015

Bayern lehnt paritätische Finanzierung der Krankenkassen ab

Die gesetzliche Krankenversicherung genießt bei den Bürgern hohe Akzeptanz. Dies könnte sich in den kommenden Jahren durch stark steigende Beiträge zulasten der Versicherten ändern.

Bayern lehnt die von Rheinland-Pfalz angestrebte Reform der Finanzierung gesetzlicher Krankenkassen (GKV) ab. Der Vorschlag der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), zur paritätischen GKV-Finanzierung zurückzukehren, sei "ein Ausweis wirtschaftspolitischer Unvernunft", sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) dem "Münchner Merkur" (Montag).

Dreyer hatte in der "Bild"-Zeitung angekündigt, am 29. Januar eine Bundesratsinitiative zu starten, um die Finanzierung der Gesundheitskosten wieder gleichmäßig auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu verteilen. Derzeit tragen die Arbeitnehmer die Beitragssteigerungen allein.

"Steigende Krankenkassenbeiträge belasten den Bürger. Steigende Arbeitskosten aber gefährden ihre Jobs", sagte Aigner. Wichtig sei, die Ausgabensteigerung im Gesundheitssystem wirksam zu bekämpfen und die Einnahmeseite durch sozialversicherungspflichtige Jobs zu verbessern.

Von Januar an müssen die allermeisten Versicherten höhere Krankenkassenbeiträge zahlen. Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass der Zusatzbeitrag, den die Kassen selbst festlegen können und den die Versicherten alleine schultern müssen, um durchschnittlich 0,2 auf 1,1 Prozentpunkte steigt. Damit läge der durchschnittliche Gesamtbeitrag bei 15,7 Prozent vom Bruttoeinkommen. Bei der DAK-Gesundheit steigt er sogar auf 16,1 Prozent. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) betont, eine gute Gesundheitsversorgung sei nicht zum Nulltarif zu haben.

Nach einer Studie im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes, die der dpa vorliegt, genießt das Solidarsystem der Krankenversicherung bei den Bürgern eine sehr hohe Akzeptanz. 95 Prozent der Versicherten sagen, Kinder sollten weiterhin kostenlos mitversichert werden - "auch wenn dadurch die Beiträge der anderen Versicherten etwas höher ausfallen".

Immerhin noch 82 Prozent sehen das auch so, wenn der Ehepartner, der kein eigenes Einkommen hat, kostenlos mitversichert werden soll. Und rund 90 Prozent der Versicherten sind danach der Meinung, dass Geringverdiener wie bisher niedrigere Beiträge zahlen sollten als Versicherte mit hohem Einkommen.

Auf eine Beitragsdifferenzierung nach Gesundheitsverhalten und Lebensstil reagierten die Befragten eher zurückhaltend. So sind drei Viertel dafür, dass Versicherte, die gesund leben und regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, geringere Beiträge zahlen sollten. Wer sich aber nicht um seine Gesundheit kümmert, viel Alkohol trinkt und sich ungesund ernährt, sollte nach Ansicht von immerhin 57 Prozent höhere Beiträge bezahlen.

Offenbar genießen es die meisten Versicherten, mit der Abrechnung der Krankheitskosten nichts zu tun zu haben. 85 Prozent lehnen es ab, eine Rechnung von ihrem Arzt oder Krankenhaus zu bekommen und das Geld ihrer Kasse vorzustecken.

Die freie Wahl des Arztes, des Krankenhauses oder der Krankenkasse hat bei Befragten einen hohen Stellenwert. 97 beziehungsweise 99 Prozent sprechen sich dafür aus, den Arzt oder Zahnarzt sowie das Krankenhaus frei wählen zu können.

Mit der Anhebung der Zusatzbeiträge zum 1. Januar bekommen die Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Nach der Studie wollen 80 Prozent, dass sie ihre Krankenkasse jederzeit wechseln können.

apa.at

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