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APA-Artikel 18. Dezember 2015

CH: Kantone, Ärzte und Patienten sehen keine Alternative zum Ärztestopp

Kantone, Ärzte und Patienten fühlen sich vom Ärztestopp-Aus durch den Nationalrat vor den Kopf gestossen. Sie sehen zum Ärztestopp keine Alternative. Die Krankenversicherungen begrüssen dagegen, dass die Zulassung von Ärzten nicht mehr beschränkt wird.

Für die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) ist der Entscheid des Nationalrates "nicht nachvollziehbar und problematisch". Der Nationalrat nehme den Kantonen ein wichtiges Instrument zur Steuerung der Versorgung und damit zur Einflussnahme auf die Kostenentwicklung aus der Hand, erklärte GDK am Freitag.

Insbesondere die grenznahen Kantone mit einer übermässigen Zunahme an Ärzten könnten nun nicht mehr intervenieren. Eine alternative Lösung in nützlicher Frist sieht GDK nicht.

"Wir sind erstaunt", sagte FMH-Präsident Jürg Schlup auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Ärzteverband habe sich lösungsorientiert gezeigt und den vom Parlament vorgeschlagenen Kompromiss akzeptiert.

Die von der SVP geforderte Vertragsfreiheit für die Krankenkassen würde der Ärzteverband nicht akzeptieren. "Patientinnen und Patienten können ihre Ärzte viel besser wählen, als die Versicherungen dies tun können", sagte Schlup.

Der Dachverband Schweizerischer Patientenstellen (DVSP) drohte sogar mit einer Volksabstimmung, sollte sich die Idee der Vertragsfreiheit in der Politik verfestigen. Der Verband bezeichnete den Entscheid des Nationalrates als unverantwortlich. Versicherte und Patienten würden benachteiligt.

Die Krankenversicherungsverbände santésuisse und Curafutura reagierten dagegen erfreut. In ihren Reaktionen forderten sie bereits eine Lockerung des Vertragszwangs. Das Parlament müsse nun ernsthafte Lösungen überprüfen, die nachhaltig, liberal und zahlbar seien, forderte santésuisse.

Heute herrscht Vertragszwang. Die Krankenkassen müssen Verträge mit allen zugelassenen Ärzten abschliessen. Mit der sogenannten Vertragsfreiheits könnten die Krankenkassen Ärzte ablehnen.

Santésuisse kritisierte weiter, der Ärztestopp habe junge Ärzte systematisch benachteiligt. Dies sei weder liberal, noch nachhaltig oder qualitätsorientiert.

Dem widersprach der Ärzteverband FMH: Mit der ausgehandelten Kompromisslösung wären die jungen Ärzte nicht benachteiligt worden. "Mit dem Qualitätskriterium der dreijährigen Weiterbildung geben wir den Jungen eine Möglichkeit der Zulassung", sagte Schlup.

apa.at

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