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APA-Artikel 16. Dezember 2015

Grazer Chirurg wegen Steuerhinterziehung vor Gericht

Statt im Operationssaal hat sich ein Grazer Chirurg am Mittwoch im Straflandesgericht einfinden müssen. Der Arzt saß auf der Anklagebank, weil er laut Staatsanwaltschaft über 500.000 Euro an Steuern nicht bezahlt haben soll. Da sich die Sachlage aber als äußerst kompliziert erwies, sollen weitere Akten sowie Zeugen herbeigeschafft werden.

Der Unfallchirurg, der für seine Künste bei Gelenksoperationen weltweit gefragt ist, hatte sich 2006 selbstständig gemacht. Er gründete eine GmbH, um ein eigenes Institut zu betreiben und bei Bedarf andere Ärzte anstellen zu können. Obwohl alles recht gut lief, musste er vor kurzem Konkurs anmelden. Dieser ist mittlerweile abgeschlossen, der Angeklagte ist nach eigenen Angeben schuldenfrei, zahlt aber noch an der 40-prozentigen Konkursquote.

Das Finanzamt wirft ihm nun vor, von 2006 bis 2013 für seine GmbH keine Kapitalertragssteuer bezahlt zu haben. Und an diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander, denn der Arzt ist sich keiner Schuld bewusst: "Dass ich Steuern hinterzogen habe, ist lächerlich. Ich haue mir doch nicht die ganze Reputation zusammen, das ist für mich ein totaler Schaden", meinte er bei der Befragung. Er gab an, zwar Geld vom GmbH-Konto genommen zu haben, seiner Meinung aber zu recht. "Das Geld hat ja auch nicht die GmbH verdient, sondern ich."

Sein Verteidiger Gerald Ruhri betonte, der Ex-Steuerberater seines Mandanten sei schuld an dem Debakel. "Was passiert ist, ist dumm gelaufen. Seine Beratung war suboptimal", formulierte es der Anwalt. Da die Finanz die ganze GmbH nie anerkannt habe, könne sie für diese auch keine Kapitalertragssteuer fordern, so die Schlussfolgerung des Verteidigers.

Die Vertreterin des Finanzamtes sah die Sache ganz anders und meinte, wenn die GmbH nicht gilt, werde der Mediziner eben einkommenssteuerpflichtig für diese Beträge. Da die Fronten sich zunehmend verhärteten und Finanz-Abgesandte und Verteidiger heftig aneinandergerieten, wurde beschlossen, weitere Akten herbeizuschaffen und zusätzliche Zeugen zu laden. Der Prozess wurde vertagt und soll Ende Februar oder Anfang März fortgesetzt werden.

apa.at

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