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APA-Artikel 11. Dezember 2015

Nach Spritzenverwechslung am LKH Graz: Ermittlungen abgeschlossen

Zwei Jahre ist es her, dass ein Grazer Unternehmer im LKH Graz nach der Verwechslung einer Spritze gestorben ist. Nun hat die Staatsanwaltschaft Graz und die Polizei ihre Ermittlungen so gut wie abgeschlossen. Der Verdacht der fahrlässigen Tötung richtet sich nicht nur gegen eine Ärztin, sondern auch gegen zwei ehemalige Abteilungs-Chefs sowie die KAGes nach dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz.

Dem Patienten war im Dezember 2013 ein Medikament, das für die intravenöse Verabreichung vorgesehen war, versehentlich ins Rückenmark injiziert worden. Der Mann hatte sich aufgrund seiner Leukämieerkrankung einer ambulanten Chemotherapie am Grazer Klinikum unterzogen. Er sollte am Tag des fatalen Irrtums zwei Substanzen erhalten - eine Ärztin verabreichte ihm allerdings die für die Vene vorgesehene Spritze fälschlicherweise ins Rückenmark. Der Mann fiel ins Koma und starb Wochen später, kurz vor Weihnachten, an den Folgeschäden der Spritzenverwechslung.

Wie das Nachrichtenmagazin "News" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, haben die Behörden das Ermittlungsverfahren gegen weitere Verdächtige ausgeweitet. Nicht nur die Ärztin, sondern auch die früheren Abteilungsleiter und die Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) sind ins Visier der Ermittler geraten. Christian Kroschl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, bestätigte am Freitag, dass das Verfahren nun gegen drei Personen und die KAGes als Verband geführt wird. Noch vor Jahresende soll ein Vorschlag zur Enderledigung an die Oberstaatsanwaltschaft Graz geschickt werden. Eine Anklage oder eine Einstellung des Verfahrens sind möglich.

In dem Bericht wird auch aus den beiden Gutachten von Krebsspezialist Thomas Kühr und Neurologe Hans-Peter Haring zitiert. Demnach sei der Fehler vermeidbar gewesen, wenn man das Medikament nicht als Spritze, sondern als Infusion zubereitet hätte. Das sei auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO schon vor Jahren vorgeschlagen worden. Außerdem hätte sich die Ärztin besser über die Medikamente informieren müssen. Haring ortete auch organisatorischen Mangel.

apa.at

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