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APA-Artikel 11. Dezember 2015

Nach Babytod - Neue Daten zu Spitalsinfektionen in Österreich

Zum Thema Spitalsinfektionen in Österreich gibt es seit heute, Freitag, brandaktuelle Daten. Sie wurden von Elisabeth Presterl (MedUni Wien/AKH) im Gesundheitsministerium vorgestellt. An der Erhebung zu nosokomialen Infektionen haben zwischen 23. April und 8. Juli dieses Jahres 51 Krankenhäuser (45 Akutspitäler und sechs Reha-Kliniken) teilgenommen. Die Infektionsrate betrug 5,3 Prozent.

In einer ersten derartigen Untersuchung mit Daten von neun Spitälern und von 4.321 Patienten aus dem Jahr 2012 war noch eine Rate an Infektionen, welche die Kranken im Medizinumfeld erworben hatten, von 6,2 Prozent festgestellt worden. Die neue Erhebung und Analyse war mit 712 Krankenhausstationen und 13.814 Patienten aus Ost-, Süd- und Westösterreich wesentlich größer, geht aus jenen Folien hervor, welche die Expertin am Freitag bei ihrem Vortrag zeigte. 28,2 Prozent der Patienten hatten einen chirurgischen Eingriff.

Sogenannte Spitalsinfektionen (nosokomial) wurden bei 727 Patienten registriert (5,3 Prozent). Am häufigsten waren Harnwegsinfekte (22,2 Prozent), dann Pneumonien (20 Prozent) und Wundinfektionen im Rahmen von chirurgischen Prozeduren (15 Prozent). Am häufigsten waren Infektionen mit sogenannten grampositiven Keimen (z. B. Pneumokokken, Streptokokken), Staphylococcus aureus-Bakterien, Enterokokken und Klebsiellen. Acinetobakterien, wie sie jetzt bei einer für ein Baby in Linz tödlichen Infektion verantwortlich waren, wurden nur bei 0,9 Prozent (vier Fälle) registriert. Eine antibiotische Therapie hatten 3.610 Kranke erhalten. Insgesamt 26,1 Prozent der Patienten erhielten Antibiotika.

Als Merkmal für die im gesamten Gesundheitswesen wichtige Händehygiene wurde der Verbrauch an alkoholischen Desinfektionsmitteln verwendet. Hier zeigt sich ein Verbrauch von 28,6 Liter pro 1.000 Patiententagen (im Spital). Hier ist Österreich im Bereich der meisten europäischen Staaten. Weit mehr als doppelt so hoch ist der Verbrauch in Dänemark, deutlich höher auch in Schweden, Norwegen und Griechenland. Die skandinavischen Länder gelten seit vielen Jahren als Beispiele für gute Hygienebedingungen sowie für geringe Antibiotikaresistenzen.

Acinetobakterien gehören zu den gramnegativen Keimen. Es gibt verschiedene Arten, am häufigsten ist Acinetobacter baumannii. Pneumonien können durch sie genauso hervorgerufen werden wie Wundinfektionen, Gehirnhautentzündungen oder gar Sepsis. Sie sind typische Spitalskeime. Das Problem liegt darin, dass sie gegen oft gegen viele Antibiotika resistent sind.

Im Jänner dieses Jahres starben an der Universitätsklinik in Kiel in Deutschland zwölf Patienten an Acinetobakterien-Infektionen. Ausbrüche hat es in der Vergangenheit auch in Rumänien und anderen Staaten gegeben.

apa.at

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