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APA-Artikel 10. Dezember 2015

Ärztekammer sieht Gerichtsmedizin in ihrer Existenz bedroht

Scharf kritisiert wird vom Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsidenten der Ärztekammer für Wien, Hermann Leitner, dass es im Rahmen der bis 2018 gültigen Leistungsvereinbarung zwischen dem Wissenschaftsministerium und der MedUni Wien bereits zum wiederholten Mal verabsäumt wurde, ausreichende finanzielle Mittel für die Ausbildung zukünftiger Gerichtsmediziner bereitzustellen. Diese findet nämlich in Wien nicht mehr statt. Leitner fordert einmal mehr ein rasches Umdenken der Politik, die hier "grob fahrlässig handelt".

Aus der aktuellen Leistungsvereinbarung geht hervor, dass der vom österreichischen Wissenschaftsrat im November 2014 kritisierte Zustand, wonach der Bedarf an Gerichtsmedizinern künftig nicht gedeckt werden könne, "schlichtweg ignoriert wurde". Der Wissenschaftsrat hielt damals fest, dass die öffentliche Hand für die Finanzierung einer qualitativ hochwertigen, unabhängigen universitären Gerichtsmedizin verantwortlich sei und dieser Aufgabe dringend nachkommen müsse. Doch weder das zuständige Ministerium für Wissenschaft und Forschung in Kooperation mit dem Justizministerium noch die MedUni Wien seien ihren Verpflichtungen nachgekommen.

Leitner: "Damit ist die Gerichtsmedizin in Wien in ihrer Existenz bedroht." Dies sei sowohl für die Bundeshauptstadt selbst als auch für die MedUni Wien – zuständig für Ausbildung, Forschung und Lehre - "ein unerträglicher Zustand". Gerade Wien könne auf eine lange und erfolgreiche Tradition in der Gerichtsmedizin zurückblicken. "Wenn diese Tradition einzig und allein aufgrund der Tatsache verloren geht, dass die Verantwortlichen immer noch nicht in der Lage sind, eine Lösung zu finden, so ist das ein Skandal", zeigt sich Leitner empört.

"Die Politik muss endlich aufhören, unser langjähriges Drängen nach einer dauerhaften Lösung zu ignorieren", so der Vizepräsident weiter. Ausbildung, Forschung, Lehre und Rechtssicherheit müssten in Wien gesichert werden.

Zusätzlich stellt sich in diesem Zusammenhang für Leitner auch die Frage, inwieweit die Stadt Wien Vorsorge für eventuell zukünftige Katastrophen, ähnlich etwa der Flüchtlingstragödie bei Parndorf oder den furchtbaren Anschlägen in Paris, getroffen habe. (pl)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/30/aom

apa.at

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