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APA-Artikel 10. Dezember 2015

Österreichische Ärztekammer: Skepsis zum ELGA-Start

"Aus der Sicht einer guten Gesundheitsversorgung ist zu hoffen, dass sich die demonstrative Euphorie von Gesundheitspolitik und Sozialversicherungen bei der ELGA-Einführung in einigen Spitälern nicht einmal mehr als realitätsferner Zweckoptimismus herausstellt", erklärte Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, in einer Presseaussendung am Donnerstag anlässlich der Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA in einigen öffentlichen Spitälern Wiens und der Steiermark.

Die seit Jahren geäußerten Bedenken der Ärztekammer gegenüber dem Projekt ELGA seien alles andere als ausgeräumt. "Die Einführung von ELGA war bisher durch ständige Terminverschiebungen geprägt, und der Eindruck der Mängelhaftigkeit und Unausgereiftheit von ELGA konnte seitens der Gesundheitspolitik bisher nicht überzeugend widerlegt werden", so Steinhart. "Es fehlt aus unserer Sicht noch immer die Evidenz, das ELGA den Erwartungen entspricht, die Patienten und Ärzte legitimer Weise an so ein Instrument stellen." ELGA biete nach heutigem Wissen keine ausreichende Befundsicherheit, ELGA sei mit ärztlichen Haftungsproblemen verbunden, ELGA sei nicht benutzerfreundlich und insgesamt ein "bürokratischer Zeitfresser mit zweifelhaftem Nutzen für Patient und Arzt", so Steinhart.

Auch die Antwort auf die Frage, ob ELGA tatsächlich eine ausreichende Datensicherheit bietet, wie von der Gesundheitspolitik häufig behauptet wurde, bleibe abzuwarten. "Völlig ungeklärt", so Steinhart, "ist bei ELGA auch die Höhe der Gesamtkosten und die Frage, welche zusätzlichen finanziellen Belastungen hier auf die niedergelassenen Ärzte zukommen werden." Ab Mitte 2017 ist ELGA für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verpflichtend.

Insgesamt dürfte ELGA jedenfalls für das Gesundheitssystem eine massive Zusatzbelastung bedeuten, vermutet Steinhart. Gehe man etwa von der – recht optimistischen – Prognose aus, dass die Handhabung von ELGA bei niedergelassenen Ärzten, in Spitalsambulanzen und im sonstigen Krankenhausbetrieb bei jedem Einsatz nur ein paar zusätzliche Minuten erfordert, so bedeute das Österreich-weit auf "einen astronomischen zeitlichen Zusatzaufwand. Das ist Zeit, die besser den Patienten zu Gute kommen sollte, als der Bedienung eines problematischen Systems."

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte werden also sehr genau beobachten, wie sich ELGA in den Spitälern bewährt und welche neuen Probleme dieses System mit sich bringt, so Steinhart: "Sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein und unsere Bedenken bekräftigen, müssen Gesundheitspolitik und die Sozialversicherungen sich auf den konsequenten Widerstand der niedergelassenen Ärzte einstellen, wenn das System eingeführt wird." (b&k)

apa.at

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