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APA-Artikel 24. November 2015

Kritik an neuer Ausbildung 2 - Ausbildung an Kinderabteilungen kürzer

Reinhold Kerbl, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, sieht eine ähnliche Problematik für den Ärztebereich: "Die Ärzteausbildung in Kinder- und Jugendheilkunde ist mit der Reform, die seit 1. Juni in Kraft ist, alles andere als optimal."

Die von Ärztekammer und Gesundheitsministerium betriebenen "Modernisierungen" hätten dazu geführt, dass alle Fächer in ein Raster eingepasst worden seien und man habe auf spezifische Bedürfnisse der einzelnen klinischen Fächer keine Rücksicht genommen. Ein Beispiel, wie Kerbl es darstellte: "Am Beginn der Ausbildung zum Pädiater steht der sogenannte 'Common Trunk' von neun Monaten, den alle Ärzte zu absolvieren haben. Das heißt, sie werden auf irgendwelchen internen oder chirurgischen Abteilungen die Systemerhalter sein, Infusionen anhängen oder zum Beispiel bei Hüftoperationen assistieren. Viel sinnvoller wäre es, in dieser Zeit ein 'Gegenfach', zum Beispiel an einer Kinderchirurgie und/oder einer Kinderpsychiatrie, zu absolvieren." Damit könnte das Verständnis für diese pädiatrienahen Gebiete verstärkt werden.

Wirklich katastrophal sei aber die Ausbildung der zukünftigen Allgemeinmediziner in Kinder- und Jugendmedizin geworden. Kerbl sagte: "Vor zwanzig Jahren waren noch sechs Monate an einer Kinderabteilung in der Ausbildung vorgeschrieben. Dann wurden es fünf, dann vier Monate. Jetzt sind es überhaupt nur noch drei Monate! Und mit der neuen Ärztedienstzeitregelung fallen noch einmal 20 Prozent der Ausbildungszeit weg. "Das heißt, wir werden in Zukunft Allgemeinmediziner haben, die nicht in der Lage sind Kinder und Jugendliche zu versorgen." Gerade in ländlichen Gebieten, wo die Hausärzte einen großen Teil der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen bestreiten müssten, werde das erhebliche Probleme bringen.

Der Pädiater betonte gegenüber der APA: "Das wird man ganz sicher noch anpassen müssen. Aber so wie uns geht es auch anderen medizinischen Fachgebieten."

apa.at

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