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APA-Artikel 24. November 2015

D: Nach Missbrauch von 21 Buben macht Kinderarzt im Prozess reinen Tisch

Seine Taten reichen bis in die 1990er Jahre zurück: Seitdem soll der Kinderarzt reihenweise Buben sexuell missbraucht haben. Im Sommer 2014 entführte er einen Jungen bei Hannover. Er wurde gefasst - und die Ermittler stießen auf insgesamt 21 Opfer.

Fast zwei Jahrzehnte lang hat sich ein Augsburger Kinderarzt an Jungen vergangen. Auf mindestens 21 Missbrauchsopfer stieß die Kripo bei ihren Ermittlungen. Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Augsburg machte der Mann am Montag reinen Tisch und legte ein umfangreiches Geständnis ab. Im Vorfeld des Verfahrens hatte es noch mehrere Gespräche seiner Verteidiger mit dem Gericht gegeben, in denen es um die Bedingungen für ein Geständnis ging. Zu einer Einigung kam es nicht - dennoch gab der 40-Jährige nun den sexuellen Missbrauch von allen 21 Jungen zu.

Die Staatsanwältin hatte zuvor etwa zwei Stunden lang das Martyrium der Opfer aufgezählt. Bundesweit bekannt wurde der Fall eines Fünfjährigen, der im August 2014 im niedersächsischen Garbsen entführt, missbraucht und nach zwei Stunden wieder freigelassen wurde. Laut Anklage hatte der damals in Hannover als Kinderarzt tätige Mann den Jungen in sein Auto gelockt, in seiner Zweitwohnung in Hannover mit Medikamenten betäubt, brutal missbraucht und auch geschlagen. Schließlich wurde der weinende und benommene Fünfjährige wieder ausgesetzt.

Die Polizei suchte mit großem Aufwand nach dem Täter und verteilte Flugblätter rund um den Tatort. Nach wenigen Wochen führte die Spur zu dem Augsburger Kinderarzt, er wurde festgenommen. Die Ermittler durchleuchteten die Vergangenheit des Mediziners und stießen auf immer neue Opfer.

In vielen Fällen hatte der Angeklagte die Jungen im Kindergarten- oder Grundschulalter auf der Straße oder einem Spielplatz angesprochen, um sie in Keller von Mehrfamilienhäusern oder Tiefgaragen zu locken. Dort verging er sich an den Jungen.

Seit Ende der 1990er Jahre soll sich der Mann auch jeweils mehrfach an den Söhnen von zwei Freundinnen vergangen haben. Dabei soll er die Kinder auch im Urlaub missbraucht haben, Tatorte waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hotels in Nürnberg und im US-amerikanischen Orlando sowie ein Freizeitpark im rheinischen Brühl. Auch dabei soll der Mann teils Arzneimittel zur Betäubung eingesetzt haben.

Der 40-Jährige hatte als Kinderarzt am Augsburger Klinikum und zuletzt an der Medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet, zwischenzeitlich war er auch am Deutschen Herzzentrum in München beschäftigt. Daneben engagierte er sich lange beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Beim BRK in Augsburg war er Vorstandsmitglied, fungierte als Chefarzt und war im Notfallbereich tätig.

Seine Position nutzte der Mann aus, um weitere Opfer zu finden. Er schrieb an sieben Augsburger Grundschulen, weil er angeblich für das BRK Ausflüge für benachteiligte Kinder organisierte. Drei Schulen fielen auf die Schreiben des Mannes herein und vermittelten dem 40-Jährigen Kinder für Ausflüge in den Münchner Raum. Dort kam es in Pensionen zu weiteren Missbrauchsfällen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann eine ganze Reihe schwerer Straftaten vor - von schwerem sexuellen Missbrauch über Vergewaltigung und Freiheitsberaubung bis zum Besitz von Kinderpornos, die Kinder vom Baby bis zu 13-Jährigen zeigen sollen. In etlichen Fällen soll der Mann auch bei den eigenen Taten pornografische Aufnahmen gemacht und gespeichert haben.

In der Verhandlung sagte der 40-Jährige, in der Untersuchungshaft und durch Gespräche mit einem Gutachter sei er zu der Überzeugung gekommen, dass es nur den Weg gebe, die Taten "vollständig einzuräumen". Seine Pädophilie habe aber mit seiner Berufswahl als Kinderarzt nichts zu tun.

Dem Mann drohen bis zu 15 Jahre Haft, nach Ansicht der Staatsanwältin kommt auch die Sicherungsverwahrung in Betracht. Das Gericht hatte für den Prozess bis kommenden März ursprünglich 30 Verhandlungstage eingeplant. Durch das Geständnis des Mannes könnte das Verfahren aber eventuell früher zu Ende gehen. Möglicherweise werden den Opfern dadurch die belastenden Aussagen vor Gericht erspart.

apa.at

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