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APA-Artikel 16. November 2015

Sonja Wehsely - Resolute Rote bewältigte Ärzte und erhält Jugend

Als Gesundheits- und Sozialstadträtin der SPÖ hatte Sonja Wehsely (45) in den vergangenen Jahren gleich mehrere Krisenthemen zu bewältigen: die Ärzte rebellierten gegen die neue Arbeitszeit- und Gehaltsregelung in den Spitälern und kurz vor der Wahl wurde das Flüchtlingsthema akut. Künftig darf Wehsely auch die Jugendagenden betreuen, die sie von Christian Oxonitsch erbt.

Für die resolute Politikerin mit der markanten Stimme sei "das Vertreten von Standpunkten, das Verändern von vermeintlichen Gegebenheiten und das Umsetzen von Interessen der Schwächeren" maßgeblich für ihr politisches Schaffen, erklärt sie auf ihrer Homepage (http://www.sonja-wehsely.at). Sie folgt dabei dem Leitspruch: "Das Bessere ist der größte Feind des Guten." Fortschritt sei das Ziel jedes politischen Handelns, davon ist Wehsely überzeugt.

Diesen Leitsatz stellten ab Winter 2014 vor allem die Wiener Ärzte auf die Probe: Monatelang dauerten die in wechselnder Tonlage stattfindenden Verhandlungen zwischen Stadt und Interessensvertretungen um das neue Arbeitszeitgesetz sowie die Anpassung der Entlohnung. Von Märschen tausender Ärzte über den Ring und Streikabstimmungen ließ sich Wehsely, die jahrelang als Zukunftshoffnung der Partei gehandelt wurde, jedoch nicht beirren - am Ende gaben beide Seiten nach und man einigte sich mehr oder weniger gütlich.

Kurz vor der Wahl beschäftigte die Stadt dann ein noch brenzligeres Thema: Wien stand vor der Aufgabe, tausende Flüchtlinge kurzfristig zu beherbergen und vielen auch auf Dauer ein Zuhause zu bieten. Gemeinsam mit dem neu installierten Flüchtlingskoordinator Peter Hacker meisterte sie diese Herausforderung souverän - neue Quartiere wurden beinahe im Tagesrhythmus geschaffen, minderjährige Flüchtlinge aus Traiskirchen geholt. Zuletzt übernahm man vom Bund das Großquartier in Erdberg. Damit bewegte sich die Stadträtin voll auf Parteilinie: Auch Bürgermeister Michael Häupl setzte im Wahlkampf dezidiert auf positive Flüchtlingspolitik.

Auch sonst ist das Gesundheits- und Sozialressort traditionell ein nicht unschwieriges: Wehsely war etwa mit Budgetüberschreitungen und immer wieder kolportierten Baumängeln im gerade entstehenden Krankenhaus Nord oder mit der umstrittenen Vergabe einer billigen Dienstwohnung an den neuen Chef des Krankenanstaltenverbunds (KAV) Udo Janßen konfrontiert.

Als geübte Politikerin kann man die etwa beim Protest gegen ein neues Suchthilfezentrum im Alsergrund durchaus auch mal resolut agierende Politikerin jedenfalls bezeichnen. Bereits mit 14 Jahren begann die Leopoldstädterin, sich in der Sozialistischen Jugend (SJ) zu engagieren, ihr Aufstieg in der Partei verlief rasch: Er führte über den Posten der Vorsitzenden der Wiener SJ (1992 und 1993) und die Bezirksrätin in der Leopoldstadt von 1993 bis 1996 schließlich in den Wiener Landtag, dem sie seit 1996 angehörte. 2004 wurde sie Frauenstadträtin, 2007 Sozial- und Gesundheitsstadträtin.

Das immer wiederkehrende Gerücht, Wehsely wechsle in die Bundesregierung, wiesen sowohl sie persönlich als auch die SPÖ stets zurück. In den vergangenen Monaten wurde die Politikerin auch immer wieder als Kandidatin für das Bürgermeisteramt genannt. Kompetenz und Verhandlungsgeschick wird der loyalen Genossin, die zu den roten "Hardlinern" in Sachen Anti-FPÖ-Linie zählt, jedenfalls von vielen Seiten attestiert. So saß sie im Verhandlungsteam für die Gesundheitsreform im Bund. In Wien wiederum leitete sie die groß angelegte Spitalsreform ein, die bis 2030 umgesetzt werden und damit den Grundstein für ein finanzierbares Gesundheitssystem der Stadt garantieren soll.

Die am 19. März 1970 geborene SP-Politikerin ist eigentlich studierte Juristin. Neben dieser Ausbildung, die sie 1995 abschloss, hat sie auch acht Jahre Pädagogik und Psychologie in Wien belegt. Bevor sie als Stadträtin komplett in die Politik wechselte, arbeitete sie als Personalmanagerin in einer Versicherung. Wehsely ist seit 2007 auch Vorsitzende der Wiener Gesundheitsplattform, Präsidentin des Kuratoriums Psychosozialer Dienste und des Dachverbands Wiener Sozialeinrichtungen. 2009 wurde sie zusätzlich zur Präsidentin des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser und Ländervertreterin im Kuratorium des Fonds Gesundes Österreich ernannt.

Wehsely ist laut eigenen Angaben "Wienerin mit Leib und Seele". Sie liebt Obst, trinkt kaum Alkohol und ist erklärte Nichtraucherin. Fit hält sie sich durch Stiegensteigen und Joggen. Sie hat mit ihrem Lebensgefährten, dem roten Parlaments-Klubobmann Andreas Schieder, einen Sohn, Max - er wurde 1994 geboren. Wehselys Schwester Tanja (43) ist ebenfalls in der Politik tätig - bisher als einfache SPÖ-Gemeinderätin.

apa.at

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