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APA-Artikel 13. November 2015

Krankenhaus Nord: Fertigstellung verschiebt sich weiter auf Ende 2017

Die Fertigstellung des Krankenhauses Nord in Wien verzögert sich weiter: Statt wie bisher avisiert im Juni 2017 soll es nun erst im Dezember 2017 so weit sein. Weiters wird das Projekt mit einem Volumen von nunmehr rund einer Milliarde Euro um 14 Prozent teurer als kalkuliert, informierte der Krankenanstaltenverbund (KAV) am Freitag. Allerdings soll die Hälfte der Mehrkosten zurückgeholt werden.

Die Gründe für die zeitliche Verzögerung und die Mehrkosten liegen in Fehlberechnungen einer Statikfirma sowie dem Konkurs einer Fassadenbaufirma. Der KAV reagierte auf diese Probleme, in dem er seine Bauherrenrolle verstärkte und in diesem Frühjahr ein sogenanntes Clearingverfahren mit jenen Firmen, die für die Haustechnik verantwortlich sind, einleitete. Damit sei verhindert, worden, dass mögliche Probleme und Meinungsverschiedenheiten zwischen Auftraggeber und Auftragsnehmer eskalieren, erklärte KAV-Generaldirektor Udo Janßen vor Journalisten.

Dabei hatte eine Clearingstelle als eine Art Schlichtungsstelle die Aufgabe, den Terminplan, die Baustellenorganisation, die Koordination zwischen den Technik-Auftragnehmern und die Mehrkosten der Auftragnehmer einvernehmlich an die Gegebenheiten anzupassen. Dabei wurden zehn Arbeitsgruppen gebildet, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Das Verfahren wurde nun abgeschlossen und "bildet eine solide Basis für die weiteren Baufortschritte", sagte Janßen.

Auch Herbert Wegleitner, Elin-Geschäftsführer und Vertreter der Auftragnehmer-Seite, ist mit dem Ergebnis zufrieden. Man habe nun eine Ausgangssituation mit geklärten Verhältnissen für alle Beteiligten für die kommenden zwei Jahre.

Eine Empfehlung der Clearingstelle lautet, den Fertigstellungstermin von Juni 2017 auf Dezember 2017 zu verschieben. "Das Risiko nicht vorhersehbarer Projektstörungen aufgrund der Forcierungsmaßnahmen und des sich dadurch ergebenden, äußerst dichten Terminplanes, ist größer als der Vorteil der kürzeren Bauzeit", begründete der Zivilingenieur und Leiter der Clearingstelle, Stephan Fuld, die Entscheidung. Die Sicherheit der Patienten und die Qualität der medizinischen Versorgung habe Vorrang. Die Verschiebung sei "kostenneutral", versicherte er außerdem.

Trotzdem wird nun mit 14 Prozent Mehrkosten gerechnet. "Dabei handelt es sich um Kosten, die nicht vom Auftraggeber zu verantworten sind", unterstrich Thomas Balazs, stellvertretender KAV-Generaldirektor. Es gebe von Gewerken im Trocken- und Innenausbaubereich Mehrforderungen. Dabei handle es sich um Auswirkungen der Statik-Fehlberechnungen und des Firmenkonkurses. Der KAV will sich aber die Hälfte davon durch das Geltendmachen von Schadenersatzansprüchen, Versicherungszahlungen und Regressforderungen zurückholen. Um die Ansprüche rasch geltend zu machen, wird ein "Forderungsmanagement"-Team eingesetzt.

Spatenstich für das Krankenhaus Nord bei der Brünner Straße war im Sommer 2012. Die Dachgleiche feierte man 2014. Nach Plänen des Architekten Albert Wimmer wird auf einer rund 111.000 Quadratmeter umfassenden Fläche ein Mega-Bau errichtet, der über 785 Zimmer verfügen soll. Diesen Sommer wurde bekannt gegeben, dass sich die Fertigstellung von ursprünglich 2016 auf Juni 2017 verschieben wird. Zudem waren für das Projekt ursprünglich 954 Millionen Euro veranschlagt gewesen. Zuletzt war von Mehrkosten in der Höhe von zehn Prozent die Rede.

Parallel zu den Bauarbeiten wird bereits jetzt die Übersiedelung der Krankenhäuser und Abteilungen in das neue Krankenhaus Nord geplant. Dabei handle es sich um eine logistische Herausforderung, so Balazs. Denn schließlich müsse für Patienten bis zum letzten Tag eine optimale Situation in der alten Infrastruktur gegeben sein und ab dem ersten Tag im Krankenhaus Nord. Auf ein genaues Datum, wann das Krankenhaus Nord in Vollbetrieb gehen soll, wollte er sich nicht festlegen, aber: "Ich gehe nicht davon aus, dass wir das ganze Jahr übersiedeln."

In der Vergangenheit hat es rund um den Bau immer wieder Debatten gegeben. Dazu zählten Gerüchte über Probleme auf der Riesenbaustelle wie Wassereintritte, eine Gebäudeabsenkung oder einen notwendigen Teilabriss. Diese wies Balazs heute einmal mehr zurück: "Wasser ist kein Thema, Senken ist kein Thema und wir tun auch nicht teilabreißen."

apa.at

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