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APA-Artikel 10. November 2015

Onlineapotheke Zur Rose eröffnet ersten eigenen Laden

Zur Rose will den Medikamentenverkauf künftig auch mit einem eigenen Laden aufmischen. Die Onlineapotheke eröffnet im August 2016 ihr erstes Ladengeschäft in Bern - wo sie Medikamente zu gleichen Preisen anbietet wie online.

Mit dieser Preispolitik trage Zur Rose dazu bei, die Gesundheitskosten zu senken, teilte die Versandapotheke am Dienstag mit. In der Schweiz sind Medikamente weiterhin deutlich teurer als sonst in Europa. Laut dem Preisüberwacher kosten Generika in anderen europäischen Ländern im Schnitt weniger als die Hälfte als in der Schweiz.

Zur Rose gewährt auf Originalmedikamenten Rabatte von bis zu 4 Prozent, auf Generika bis zu 12 Prozent. Das sagte Sprecherin Lisa Lüthi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Bisher sparte die Gruppe dadurch, dass sie keine eigenen Läden betreiben musste beziehungsweise durch eine effiziente Logistik, wie Lüthi erklärt.

Mit einer eigenen Filiale dürfte Zur Rose den anderen Apotheken nun gefährlicher werden als bisher. Denn als Onlineapotheke kämpfte sie immer wieder mit Einschränkungen der restriktiven Schweizer Heilmittelgesetzgebung.

Zuletzt entschied das Bundesgericht Ende September, dass Zur Rose auch rezeptfreie Medikamente nicht ohne Rezept abgeben darf. Das Bundesgericht hatte zwei Rekurse gegen die Onlineapotheke gutgeheissen, welche von der Heilmittelbehörde Swissmedic und dem Apothekerverband Pharmasuisse eingereicht worden waren. Sie annullierten eine Erlaubnis zum Versand von rezeptfreien Medikamenten, welche der Kanton Thurgau erteilt hatte.

Mit dem Entscheid werde der Versand von rezeptfreien Medikamenten faktisch verunmöglicht, schrieb die Versandapotheke damals in einer Reaktion. Mit der Filiale können Medikamente nun online bestellt werden mit der Option, die Medikamente im Laden abzuholen. Das gelte auch für rezeptfreie Medikamente, schreibt Zur Rose.

Der Entscheid zur Eröffnung einer Filiale sei aber unabhängig vom Bundesgerichtsurteil gefällt worden, erklärt Zur-Rose-Sprecherin Lüthi. "Einkaufen auf allen Kanälen ist die Zukunft", lässt sich Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli denn auch in der Medienmitteilung zitieren.

Für Kunden, die nicht zu Hause sind, um das eingeschriebene Paket mit den bestellten Medikamenten in Empfang zu nehmen, sei die Abholung in der Filiale ein Mehrwert.

Laut Zur Rose ist die Eröffnung der Filiale am Bahnhof Bern ein erster Umsetzungsschritt zu einer Verkaufsstrategie über alle Kanäle, nicht mehr nur über online. Ob noch weitere Läden hinzukommen, ist aber offen. Zuerst werde man die Erfahrungen mit der ersten Filiale abwarten, erklärt Kommunikationsleiterin Lüthi.

Zur Rose beliefert Privatkunden und Ärzte mit Medikamenten. In der Schweiz müssen Privatkunden dafür ein Rezept vom Arzt einsenden, Ärzte benötigen eine Bewilligung zur Selbstdispensation, der direkten Medikamentenabgabe an die Patienten. 434 von 916 Millionen Franken an Umsatz erwirtschaftete Zur Rose im vergangenen Jahr in der Schweiz. Daneben ist die Gruppe auch in Österreich und Deutschland aktiv. In beiden Ländern ist der Versand rezeptfreier Arzneimittel ohne Rezepte erlaubt.

Laut Zahlen des Verbandes der Schweizer Versandapotheken setzen in der Schweiz vier Schweizer Versandapotheken mit Bewilligung für den Arzneimittel-Versandhandel 225 Millionen Franken im Jahr um - damit halten sie gemeinsam einen Marktanteil von 5,2 Prozent.

Welche Bedingungen künftig für Versandapotheken gelten, wird derzeit vom Parlament beraten. Mit der Revision des Heilmittelgesetzes stehen auch die bisherigen Vorgaben für den Onlineversand für Medikamente auf dem Prüfstand. Dabei geht es auch um die Frage, ob Versandapotheken das Rezept aufgrund eines Fragebogens nachträglich selber besorgen können, falls das Medikament in der Apotheke rezeptfrei bezogen werden kann.

apa.at

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