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APA-Artikel 6. November 2015

Vorarlberg steht vor Pensionierungswelle bei Ärzten

In den kommenden zehn Jahren wird in Vorarlberg voraussichtlich die Hälfte der Vertragsärzte in Pension gehen, davon betroffen ist vor allem die Allgemeinmedizin. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie zur ärztlichen Versorgung in Vorarlberg. Bisher habe man freie Kassenstellen durchwegs neu- und nachbesetzen können, Probleme gebe es aber im ländlichen Raum, so die Verantwortlichen am Freitag.

Laut der Studie, die das Forschungsinstitut "Gesundheit Österreich" im Auftrag des Vorarlberger Gesundheitsfonds durchführte, gab es in Vorarlberg zu Ende 2013 rund 1.400 Ärzte (ohne Zahnmedizin), im Vergleich zum Jahr 2000 eine Steigerung von 48 Prozent. Davon waren 600 im niedergelassenen Bereich tätig, eine Zunahme von 34 Prozent. 900 arbeiteten als Angestellte, ein Plus von 54 Prozent. Die Steigerungen waren durchwegs höher als im bundesweiten Schnitt. Besonders stark war der Zuwachs bei den Vertragsärzten, deren Zahl sich seit 2000 auf rund 300 Ärzte mehr als verdoppelte.

Bisher habe man frei gewordene oder neue Stellen bis auf wenige Ausnahmen besetzen können. Probleme bei der Besetzung von Planstellen gebe es vor allem im ländlichen Raum in der Allgemeinmedizin und an den Spitälern im Bereich Psychiatrie, berichteten Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP), VGKK-Obmann Manfred Brunner und Gerald Fleisch, Leiter der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG). Ende 2013 war rund ein Viertel der Ärzte 55 Jahre oder älter. Die anstehende Pensionierungswelle werde vor allem an den Krankenhäusern eine Herausforderung.

Insgesamt sei bis zum Jahr 2020 mit rund 180 Pensionierungen zu rechnen, davon rund 50 Allgemeinmediziner und 130 Fachärzte. Demgegenüber stünden laut der Studie 76 Fachärzte, die ihre Ausbildung bis Ende 2016 beenden. Kurzfristige Engpässe seien hier nicht auszuschließen. Man hoffe allerdings, dass sich die Situation in wenigen Jahren wieder verbessere, da derzeit rund 170 Fachärzte ausgebildet würden. Bei den Allgemeinmedizinern sei eine Prognose schwierig, das hänge davon ab, wie viele Mediziner sich dafür begeistern ließen.

"Unsere Maßnahmen zur Attraktivierung des Arztberufs greifen, es braucht aber weitere Verbesserungen", so der Schluss von Gesundheits-Landesrat Christian Bernhard (ÖVP). Es wären gesetzliche Maßnahmen anzudenken, um eine Trendumkehr weg vom Wahlarzt hin zum Vertragsarzt zu erreichen. Zudem sprächen bei Medizinern die mangelnde Qualität der Ausbildung und fehlende Erfahrung in der Unternehmensführung gegen eine eigene Praxis. Hier müsse mehr Know-how bereits während der praktischen Ausbildung vermittelt werden, etwa in Lehrpraxen, wo ein Pilotprojekt geplant ist. Neue Formen der Zusammenarbeit müssten geschaffen werden, etwa Gruppenpraxen, Jobsharing-Praxen und Praxisgemeinschaften. Zudem wolle man die Qualität der Turnusausbildung verbessern und die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe zur Entlastung der Mediziner weiter stärken, so die Verantwortlichen.

apa.at

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