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APA-Artikel 6. November 2015

Ärztekammer veranstaltet erstmals Lange Nacht der Fortbildung

Heute, Freitag, findet im Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn zum ersten Mal die "Lange Nacht der Fortbildung" statt. Die Ärztekammern für Wien und Niederösterreich haben damit mit sechs hochkarätigen Vortragenden zu vier Themenschwerpunkten eine der größten interdisziplinären Fortbildungsveranstaltungen für Ärztinnen und Ärzte in Österreich geschaffen.

Die Themen Sucht, Kardiologie, Infektiologie und Ernährung sind die vier Schwerpunkte der Fortbildungsveranstaltung, die sowohl für niedergelassene als auch für angestellte Ärztinnen und Ärzte relevant sind. "Nicht nur die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten verändern sich, auch die Lebensweisen und damit die Krankheitsbilder der Menschen", betont Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. "Gerade deshalb ist es wichtig, unseren Ärztinnen und Ärzten innovative Fortbildungen zu diesen aktuellen Entwicklungen anzubieten."

Veränderte Lebensweisen der Menschen betreffen vor allem den Bereich der Ernährung. Laktoseintoleranz beispielsweise ist weltweit bei etwa 70 Prozent der Menschen nachweisbar. "Im Zeitalter der industriellen Nahrungsmittelproduktion klagen immer mehr Bewohner der Industrienationen über "neue" Nahrungsmittelunverträglichkeiten", betont Ludwig Kramer, Leiter der 1. Medizinischen Abteilung mit Gastroenterologie im Krankenhaus Hietzing. Eindeutige Diagnosen zu erstellen sei aber schwierig. Viele Tests seien nicht sehr aussagekräftig und zusätzlich langwierig. "Dazu kommt noch, dass die Hälfte aller Menschen mit nachgewiesener Laktoseintoleranz überhaupt keine Symptome aufweisen", so Kramer.

Für Patienten komme belastend hinzu, dass Symptome häufig als Ausdruck ungelöster psychischer Konflikte und Spannungen interpretiert würden. Meist beruhe dies auch nicht auf seriöser Diagnostik, kritisiert Kramer. Gerade auch, um solche Fehler zu vermeiden, sei die ärztliche Fortbildung über diese "neuen" Erkrankungen von "großer Bedeutung".

Auch "zu gesund" ist ungesund

Laut Kramer sei die Erklärung für die aktuelle Zunahme von Intoleranzen auf mehreren Ebenen zu finden: Einerseits bestehe allgemein eine gesteigerte Aufmerksamkeit gegenüber körperlichen Symptomen und Beschwerden. Dazu komme eine oft zunehmende Selbstdiagnostik via Internet.

Andererseits müsse den komplexen Ernährungsgewohnheiten der modernen Gesellschaft besonderes Augenmerk geschenkt werden. Ein Teil der Bevölkerung verwende im zunehmenden Ausmaß Fertigprodukte, verarbeitete Nahrung und Softdrinks, vor allem aus (zeit-)ökonomischen Gründen. "Der hohe Anteil an Fructose und anderen prozessierten Komponenten der industriellen Ernährung hat damit zu einer Häufung von Magen-Darm-Beschwerden wie Reizdarm beigetragen", ist Kramer überzeugt.

"Aber auch "zu gesund" ist ungesund", so Kramer weiter. Ein bestimmter Teil der Gesellschaft hänge einer oft rigoros verfolgten "gesunden" und ballaststoffreichen Ernährungsform an. Dies mache sich zum Teil in Darmkrämpfen, Blähungen und Durchfall bemerkbar. "Paradoxerweise führen sowohl ungesunde wie auch "zu gesunde" Ernährung zu einer erhöhten Exposition an Fruktose und/oder schlechter Aufnahme von Kohlenhydraten", warnt Kramer.

Ärztinnen und Ärzten empfiehlt Kramer - nach Ausschluss gravierender organischer Erkrankungen - meist keine weitere detaillierte Diagnostik, sondern ein "eher pragmatisches" Vorgehen, bei der die Bekämpfung der Symptome im Vordergrund stehen sollte. Ziel dahinter sei, die zwar belastenden, aber gesundheitlich insgesamt harmlosen Unverträglichkeiten nicht ins Zentrum des Lebensalltags der Patienten treten zu lassen. (ssch)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/30/aom

apa.at

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