zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 29. Oktober 2015

Medikamentenkosten - WGKK-Chefin Reischl ortet "Raubrittertum"

Scharfe Worte im Streit um die Pharma-Preise findet die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), Ingrid Reischl: Sie sprach am Donnerstag von "modernem Raubrittertum". Der heimischen Sozialversicherung drohe bis 2018 eine Lücke von rund einer Milliarde Euro, warnte sie, die Pläne für gesetzlich fixierte Rabatte begrüßt sie naturgemäß.

"Wir haben kein Mengen-, sondern ein Preisproblem", versicherte Reischl, die auch Vorsitzende der Trägerkonferenz im Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist, im Gespräch mit Journalisten. Heilmittel würden inzwischen einen "ganz gewaltigen Ausgabebrocken" darstellen. 3,2 Mrd. Euro wurden 2014 bundesweit von den Sozialversicherungen dafür aufgewendet. In Wien seien es 634 Mio. Euro gewesen. 2015 drohe ein Anstieg in Österreich um 7,23 Prozent.

Dass er in Wien möglicherweise niedriger ausfallen wird, liegt laut Reischl daran, dass das Plus bereits im Vorjahr groß war. Wobei keine Trendumkehr in Sicht ist: In den nächsten Jahren sei im Heilmittelsektor mit einem Anstieg zwischen fünf und sechs Prozent zu rechnen, prophezeite sie.

Das Problem liege klar an den teuren Medikamenten. Die Kosten etwa bei der Behandlung von Hepatitis C würden - angesichts eines neuen hochpreisigen Präparates - an Raubrittertum grenzen. Auch Krebsmedikamente und ein neuer Cholesterinsenker würden sich negativ auswirken, berichtete die WGKK-Chefin. Vor allem letzterer sei eine Gefahr: "Wenn extrem überteuerte Medikamente für Volkskrankheiten eingesetzt werden, ist klar, dass diese Dimensionen von einer Sozialversicherung nicht mehr getragen werden können."

Das in Begutachtung befindliche Rabattgesetz sei ein "Schritt in die richtige Richtung", stellte sie klar. Weitere müssten aber nun folgen. Fatal sei auch, dass Preisverhandlungen zum Teil nicht mehr stattfinden. Pharmafirmen verzichten immer öfter darauf, eine Aufnahme in den sogenannten Erstattungskodex (EKO) zu beantragen, wie Edith Brandner, die Leiterin der Abteilung Medizinische Behandlungsökonomie in der WGKK, ausführte. Der Kodex umfasst jene Medikamente, die grundsätzlich von der Sozialversicherung bezahlt würden.

Heilmittel, deren Verwendung medizinisch notwendig sind, würden jedoch auch finanziert, wenn sie nicht im EKO enthalten sind. 2014 hat die Krankenversicherung österreichweit rund 256 Mio. Euro für Medikamente aufgewendet, die nicht dort gelistet waren - Tendenz steigend, wie heute versichert wurde.

Die Wiener Kasse hat eine Reihe von Vorschlägen parat, um das Problem der vermuteten "willkürlichen" Preisbildung zu lösen. Propagiert wird etwa die verpflichtende ökonomische Verschreibung, wie es sie in anderen Ländern bereits gibt. Sie sieht die Abgabe der jeweils kostengünstigsten wirkstoffidenten Alternative in Apotheken vor. Auch ein Überdenken der oft sehr langen Arzneimittelpatente sei nötig, hieß es. Außerdem sollten teure Mittel nur in Fachambulanzen oder Spitälern abgegeben werden dürfen.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben