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APA-Artikel 14. Oktober 2015

Cholesterin: Großes Problem in Österreich

Zu hohe Blutfettwerte (Hypercholesterinämie) sind mit Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht der größte Risikofaktor für Atherosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen. Obwohl es seit Jahrzehnten gute Behandlungsmöglichkeiten gibt, erreichen nur wenige Personen die Zielwerte.

2009 publizierten Diabetes- und Stoffwechselexperten die Ergebnisse aus 68.000 Gesamtcholesterinuntersuchungen in österreichischen Apotheken. Das Ergebnis: Einen "idealen" Gesamtcholesterinwert von weniger als 160 Milligramm pro Deziliter Blut wiesen nur 13 Prozent der ungefilterten Screening-Probanden - eben Apothekenkunden, die sich dafür interessierten - auf. 34 Prozent wiesen Gesamtcholesterinwerte von 160 bis 200 Milligramm pro Deziliter auf. 53 Prozent kamen mit mehr als 200 Milligramm auf Werte einer echten Hypercholesterinämie. Diese Daten sind im Österreichischen Cholesterin-Report 2015 enthalten.

Entscheidend ist das "böse" LDL-Cholesterin. Risiko- bzw. Hochrisikopersonen sind Diabetiker, Menschen mit mehrfachen Risikofaktoren (Hypertonie, Rauchen, Diabetes und/oder einer bereits aufgetretenen Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sie sollten möglichst LDL-Werte von weniger als 70 Milligramm pro Deziliter erreichen. Doch das ist bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen offenbar nicht der Fall.

In einer internationalen Studie (2011), in welcher rund 20.000 Hochrisikopersonen (Atherosklerose, Diabetes, chronische Nierenerkrankungen) untersucht wurden, zeigte sich bei den 910 österreichischen Teilnehmern folgendes Bild: Nur rund 20 Prozent erreichten trotz Behandlung die Zielwerte nicht. In einer anderen wissenschaftlichen Studie mit Spitalspatienten (2008) waren es 60 Prozent, bei denen der Cholesterinspiegel nicht ausreichend gesenkt wurde. 58 Prozent der Betroffenen blieben trotz Betreuung in einem Zentrum ohne Behandlung.

Eine Kombination der herkömmlichen und weitgehend nebenwirkungsarmen Cholesterinsenker (Statine) mit einem anderen Medikament, welches die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm blockiert (Ezetimibe) kann die Wirkung der Behandlung deutlich verstärken. Noch einmal "schärfer" sind neue monoklonale Antikörper (PSK9-Hemmer), die noch zusätzlich wirken. Sie kommen wahrscheinlich speziell für Menschen mit genetisch bedingt extrem hohen Cholesterinwerten in Frage (familiäre Hypercholesterinämie), bei denen der Effekt der älteren Arzneimittel nicht ausreicht.

Doch in Österreich gibt es kein Programm, mit dem Menschen mit familiärer Hypercholesterinämie gezielt identifiziert werden. Wahrscheinlich sind das 30.000 bis 40.000 Menschen, von denen viele von ihrer Risikosituation für frühen Herzinfarkt oder Schlaganfall durch die schneller ablaufende Atherosklerose nichts wissen.

apa.at

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