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APA-Artikel 12. Oktober 2015

Europäische Apotheker punkten mit pharmazeutischen Leistungen

Spitzenvertreter internationaler Apothekervereinigungen treffen sich seit Donnerstag zum intensiven Austausch in Wien. Auf der Tagungsordnung stehen neben Maßnahmen gegen Arzneimittelfälschungen und für konsequente Versorgungssicherheit auch die Honorierung von pharmazeutischen Dienstleistungen.

Beispiel Polymedikation

Die Schweizer Patienten können zweimal im Jahr auf Kosten der Sozialversicherungen einen "Polymedikations-Check", der mit einem Basismodul des Projektes Medikationsmanagement der Österreichischen Apothekerkammer vergleichbar ist, in Anspruch nehmen. "Die Schweizer Sozialversicherung hat den Vorteil von Polymedikations-Checks für die Kunden eindeutig erkannt und honoriert unsere Leistung, weil sie dem Gesundheitssystem insgesamt Vorteile bringt", so der Schweizer Apotheker-Präsident Fabian Vaucher. Die Schweizer Apotheker erhalten für den Polymedikations-Check 48,60 CHF (44,25 Euro).

Auch in Deutschland übernimmt nun beim Projekt "ARMIN" die Krankenkasse die Honorierung der Beratungsleistung der Apotheker bei der Polymedikation. Österreich hat mit dem Medikationsmanagement einen sehr kundenfreundlichen und patientenorientierten Weg eingeschlagen. Bis Ende 2015 werden 1.000 Apothekerinnen und Apotheker die Ausbildung absolviert haben. "Medikationsmanagement ist eine umfassende, zeit- und Know-how-intensive Beratungsleistung der Apothekerschaft, die für den Patienten bessere therapeutische Erfolge und für das Gesundheitssystem finanzielle Vorteile bringt. Diese Leistung muss auch in Österreich honoriert werden", so Mag. pharm. Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer.

Beispiel Nachtdienste

Der Apothekenbereitschaftsdienst während der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen wird in Deutschland mit 120 Millionen Euro extra honoriert. In der Schweiz bekommt jede Apotheke von den Krankenkassen 17,30 CHF (15,75 Euro) pro Inanspruchnahme während eines Bereitschaftsdienstes. In Österreich hingegen, wo knapp 300 Apotheken jede Nacht Bereitschaftsdienst versehen, werden die entstehenden Kosten fast ausschließlich vom Berufsstand selbst getragen. In Summe kostet dies den österreichischen Apotheken 33 Millionen Euro jährlich. Friedemann Schmidt, Präsident der deutschen Apothekervereinigung ABDA dazu: "Ohne die extra Honorierung könnten wir die Nachtdienste in Deutschland in diesem Ausmaß nicht nachhaltig anbieten." Auf Österreich könnte ein ähnliches Szenario zukommen. "Auch wir müssen das Arbeitszeitgesetz umsetzen, was bedeutet, dass sich durch den steigernden Personalaufwand die Kosten erhöhen werden. Um die für die Bevölkerung so wichtigen Nachtdienste in der Form beibehalten zu können, muss diese Leistung künftig extern unterstützt werden", so Mag. pharm. Raimund Podroschko, Erster Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer.

"New Pharmacy Services"

International und vor allem in Europa geht der Trend eindeutig in Richtung Etablierung von neuen Serviceleistungen als eine Investition in einen besseren Nutzen für die Patienten. Diese Leistungen bringen Einsparungen für das Gesamtsystem. "Nachhaltig sind neue Serviceleistungen in der Prävention, der Langzeitbetreuung chronisch Kranker, Inhalationsschulungen, Impfungen, Raucherintervention und weitere Public-Health-Aktivitäten nur umsetzbar, wenn diese dokumentiert und honoriert werden" meint Jurate Svarcaite, Generalsekretärin der europäischen Apothekervereinigung PGEU (Pharmaceutical Group of the European Union).

"In Österreich werden bis dato alle diese Leistungen, die wir gerne im Sinne unserer Kunden erbringen, alleine aus dem Apothekerstand finanziert, was auf Dauer nicht machbar ist," so Dr. Christian Müller-Uri, Zweiter Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. Es muss auch in Österreich ein Umdenken der Politik erfolgen, dass die Apotheken als eine der tragfähigsten Säulen des Gesundheitssystems für zusätzliche Leistungen angemessen honoriert werden.

Apothekenspanne in Österreich sogar unter dem EU25-Schnitt

Diese umfassenden Leistungen, vom Nachtdienst über das Substitutionsprogramm bis hin zum Medikationsmanagement erbringt die Apothekerschaft aus eigenen Mitteln, obwohl die österreichischen Apotheken von den Krankenkassen deutlich weniger bekommen als ihre Kollegen in den anderen EU-Ländern. Die österreichische Apothekenspanne im Kassenmarkt beträgt bei einer Durchschnittspackung 2,61 Euro, während die Kollegen der EU25-Länder 2,92 Euro pro Packung und die Apotheken der EU15-Länder gar 3,57 Euro pro Packung (Kassenmarkt) verrechnen können (Quelle: Institut für Pharmaökonomische Forschung, September 2015)

Apotheken auf einen Blick

In Österreich spielen die öffentlichen Apotheken eine wichtige Rolle als Gesundheitsnahversorger. Ob Großstadt, Kleinstadt oder Gemeinde: Die österreichischen Apotheken liefern Qualität auf höchstem Niveau und das zu niedrigen Preisen, wie im Vergleich mit anderen europäischen Ländern deutlich hervorgeht. Trotz der hohen Kaufkraft in Österreich liegen die Arzneimittelpreise unter dem europäischen Durchschnitt. Insgesamt beraten 5.800 akademisch ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker in 1.360 Apotheken die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Die Beratungskompetenz ist eine der zentralen Leistungen der Apotheker. Zusätzlich erbringen über 350 Apothekerinnen und Apotheker wertvolle Versorgungs- und Beratungsleistungen für die Patienten in den österreichischen Krankenanstalten.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/149/aom

apa.at

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