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APA-Artikel 6. Oktober 2015

Vergleichsstudie: Arzneimittelpreise unter EU-15-Schnitt

Die Arzneimittelpreise bei den von den Krankenkassen bezahlten Medikamenten sind in Österreich unter Durchschnitt vergleichbarer EU-Länder. Das gleiche gilt für Kosten in der Distribution via Großhandel und Apotheken. Das hat eine Studie ergeben, die am Dienstag bei einem Hintergrundgespräch von Vertretern der Pharmaindustrie, des Pharmagroßhandels und der Apothekerkammer präsentiert worden ist.

Den Hintergrund bilden derzeit nur schleppend verlaufenden Verhandlungen zwischen Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Großhandel über die Erneuerung des Ende dieses Jahres auslaufenden Rahmen-Pharmavertrages über Rabatte und Rückzahlungen. Die Studie wurde vom Institut für Pharmaökonomische Forschung (IPF) erstellt. IPF-Expertin Evelyn Walter: "In die Analyse sind alle erstattungsfähigen Arzneimittel aus dem Apothekenmarkt eingeflossen." Dies bedeutet, dass der Spitalsmarkt nicht enthalten war. Dort gelten andere Regelungen. Nur über eine breite Analyse - wie eben den gesamten Arzneimittelmarkt im niedergelassenen Bereich - ließen sich aussagekräftige Ländervergleiche treffen.

Laut der Studie wären die österreichischen Krankenkassen im EU-Vergleich in allen Arzneimittelbelangen sprichwörtlich auf der sonnigen Seite. Pro Kopf wurden 2014 in Österreich bei den erstattungsfähigen Arzneimitteln 19,15 Packungen verbraucht. Spitzenreiter war Frankreich (38,8), danach kamen zum Beispiel Griechenland (25,75) und Großbritannien (25,13). Am Ende der Skala befanden sich die baltischen Länder mit knapp unter zehn Packungen. "Im erstattungsfähigen Markt ist der österreichische Arzneimittelverbrauch im EU-Vergleich mi 19,15 Packungen pro Jahr leicht unterdurchschnittlich - mit minus 3,3 Prozent", sagte Evelyn Walter. Ähnliches gilt für die verbrauchten Standard-Units, also die verbrauchten Einzeltabletten, Ampullen etc. pro Kopf der Bevölkerung. Da liegt Großbritannien mit 1.246,25 an der Spitze, Österreich mit 742,25 am EU-25-Durchschnitt.

Der Fabriks-Abgabepreis (Pharmaindustrie) pro Packung liegt im EU-25-Durchschnitt bei fast exakt zehn Euro, im EU-15-Mittel bei 12,51 Euro. In Österreich beträgt dieser Wert 12,34 Euro und ist damit um 1,4 Prozent niedriger als der EU-15-Durchschnitt vergleichbarer Länder. Finnland nimmt mit 22,49 Euro pro Packung den Spitzenwert ein, in Rumänien sind es 4,48 Euro. Beim Apothekeneinkaufspreis unter Einbeziehung der Großhandelsspanne ist Österreich mit 13,36 Euro minimal unter dem EU-15 Schnitt (minus 0,17 Prozent). Der EU-25-Durchschnitt liegt mit 11,15 Euro darunter.

Für Krankenkassen ist freilich der Endpreis pro Packung bei Abgabe in der Apotheke an die Versicherten ausschlaggebend. Unter Abrechnung der Mehrwertsteuer sieht die Situation im EU-Vergleich ganz ähnlich aus. "Im erstattungsfähigen Markt beträgt der heimische Kassenpreis exklusive Umsatzsteuer pro Packung 15,97 Euro und ist somit im EU-15-Vergleich unterdurchschnittlich mit minus 7,12 Prozent", sagte die IPF-Expertin. Der EU-15-Mittelwert liege bei 17,20 Euro. Im EU-25-Vergleich beträgt der Durchschnittswert knapp unter 13,5 Euro. Finnland ist mit 30,50 Euro an der Spitze, gefolgt von Deutschland (28,24 Euro) und Belgien (28,19 Euro). Hinter Österreich reihen sich allerdings Staaten wie die Niederlande (11,48 Euro). Rumänien bildet das Schlusslicht (5,69 Euro).

Der Generalsekretär der Verbandes der Pharmazeutischen Industrie (Pharmig), Jan Oliver Huber, betonte, wie günstig die Situation bei den Arzneimittelkosten für die Krankenkassen und den Hauptverband der Sozialversicherungsträger sei: "Zwischen 2010 und 2014 sind die Arzneimittelausgaben um insgesamt sechs Prozent gewachsen. In der gleichen Zeit ist die Inflation um neun Prozent gewachsen."

Im Rahmen der Diskussionen rund um den neuen Rahmen-Pharmavertrag hat Hauptverbands-Chef Peter McDonald von einer für das ganze Jahr erwarteten Steigerung der Kassenausgaben für Medikamente für 2015 von sieben bis acht Prozent und einer "Pharmalücke" zwischen 120 bis 150 Euro im Jahr 2016 gesprochen. Der aktuelle Trend ist laut Apothekerkammer-Vizepräsident Christian Müller-Uri positiver.

"Es gab eine Steigerung im Juli um 4,63 Prozent, im August von 4,80 Prozent. Wir haben aktuell die Zahlen von mehr als 1.000 Apotheken für den Monat September bekommen. Da liegen wir bei plus 1,4 Prozent. Wir rechnen mit fünf Prozent für das gesamte Jahr", sagte Müller-Uri. Damit werde man deutlich "unter kolportierten acht oder gar zehn Prozent" sein. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat in der jüngeren Vergangenheit speziell auf die Kosten für innovative Arzneimittel hingewiesen, mit denen erstmals eine chronische Hepatitis C binnen weniger Wochen zu 95 bis 97 Prozent geheilt werden kann.

Der Apothekerkammer-Vizepräsident betonte auch die sowohl im EU-25- als auch im EU15-Vergleich für die Krankenkassen günstige Situation bei den Distributionskosten durch die Apotheken: "Die österreichische Apothekenspanne beträgt bei einer Durchschnittspackung 2,61 Euro, während die Kollegen der EU-25-Länder 2,92 Euro pro Packung und die Apotheken der EU-15-Länder gar 3,57 Euro pro Packung im Kassenmarkt verrechnen könnten." Man sollte mit Arzneimitteln Kosten sparen, nicht am Arzneimittel.

Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber sieht die neuen Zahlen als Argumentationshilfe für die Verhandlungen mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger über den neuen Rahmen-Pharmavertrag: "Es ist de facto so, dass wir immer noch weit auseinander liegen. (...) Wir haben ein Angebot mit 65 Millionen Euro plus fünf Millionen Euro für Gesundheitsziele vorgelegt. Das ist ein sehr faires Angebot." Die vom Hauptverband geforderten 125 Millionen Euro hätten nichts mit der Entwicklung auf dem Arzneimittelmarkt zu tun. Nur an dem könne man sich beteiligen. Finanzlücken seien zu einem hohen Anteil vom Kassensystem selbst verursacht.

Huber verwies dazu auf derzeit wieder "hohe Rücklagen" bei einzelnen Krankenkassen. Auf der anderen Seite habe beispielsweise die Wiener Gebietskrankenkasse den "Großstadtfaktor" zu tragen, besitze aber auch ein Krankenhaus. Kasseneigene Einrichtungen, zum Beispiel Ambulatorien, wären eine Parallelstruktur zum niedergelassenen Bereich. "Meine Frage ist, ob das notwendig ist?"

apa.at

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