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APA-Artikel 5. Oktober 2015

Bioethikkommission diskutiert "Medizin und Ökonomie"

Mit einer öffentlichen Sitzung hat die Bioethikkommission am Montag eine Diskussion des Themas "Medizin und Ökonomie" gestartet. Unter anderem soll dabei der gerechten Verteilung begrenzter Ressourcen und dem Generikaeinsatz nachgegangen werden, hieß es bei einem Hintergrundgespräch vor Beginn der Sitzung. Empfehlungen der Kommission sollen spätestens in zwei Jahren vorliegen.

Die Bioethikkommission hat im Februar dieses Jahres Empfehlungen zum Thema "Würde am Ende des Lebens" vorgelegt, im Sommer dann zu Impfungen und partizipativer Medizin. Nun beginne man das Thema "Medizin und Ökonomie", kündigte die Kommissionsvorsitzende, Christiane Druml, an. Das Thema spiele freilich bei etlichen anderen Themen mit eine Rolle und daher habe man sich nun für eine tiefergehende Auseinandersetzung entschieden, erklärte sie weiters.

Georg Marckmann vom Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München fasste das Problem zusammen: "Das, was wir tun können, klafft immer weiter von dem weg", was man sich leisten könne. Zunächst geht es daher laut Kommissionsmitglied Jürgen Wallner darum, für das Thema zu sensibilisieren.

So "plakativ" die Medikamentenpreise auch sind, die großen Posten seien die Personalkosten, gibt Wallner zu bedenken. Dort liegen die "großen Hebel", allerdings auch Risiken. Wallner nennt ein Beispiel: Werde etwa im Nachtdienst auf einer Station eine Krankenschwester eingespart, könnte dies zu erhöhtem Medikamenteneinsatz führen, um Patienten "ruhig zu stellen". Er schlug hingegen beispielsweise mehr Standardisierungen zugunsten der Patienten und die Vermeidung von Wartezeiten und Leerläufen vor.

Der Hepatologe Peter Ferenci stimmt zwar zu, dass die Personalkosten der größte Posten sind. Das Defizit der Wiener Gebietskrankenkasse 2014 sei jedoch zum größten Anteil auf die Medikamentengruppe bei Hepatitis C zurückzuführen. Ferenci sprach in diesem Zusammenhang auch von "unbezahlbaren Therapien".

Druml erklärte, in die Diskussion werden nicht nur Experten, sondern auch Betroffene einbezogen. "Willkürliche Altersgrenzen" für eine Behandlung etwa würden nicht gesetzt: "Wir wollen keinen Katalog ausstellen."

Was medizinische Studien betrifft, sprachen sich die Experten für mehr unabhängig produzierte Untersuchungen aus. Auch sollten der Genderaspekt und ganz generell die langfristigen Auswirkungen von Entscheidungen berücksichtigt werden.

apa.at

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