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APA-Artikel 2. Oktober 2015

CH: Spital-Eklat am Zürichsee - Stiftungsratspräsident nimmt den Hut

Monatelang ist das See-Spital am linken Zürichseeufer mit Vorwürfen über Unregelmässigkeiten an der Schmerzklinik in Horgen eingedeckt worden. Am Freitag nun ist Stiftungsratspräsident Walter Bosshard zurückgetreten.

Lange wollte das See-Spital nichts wissen von Unregelmässigkeiten. Mittlerweile aber haben sich die kantonale Gesundheitsdirektion (GD) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eingeschaltet. Die GD verlangte eine interne Untersuchung, hat ein aufsichtsrechtliches Verfahren eingeleitet und den Spitalverantwortlichen einen schriftlichen Verweis erteilt. Das BAG hat Strafanzeige eingereicht.

Am Freitag nun traten Stiftungsratspräsident Walter Bosshard, Stiftungsrat Lorenzo Marazzotta und Spitaldirektor Matthias Pfammatter vor die Medien, um den Untersuchungsbericht zu präsentieren und Massnahmen zu erläutern.

Gemäss Untersuchung hat der ehemalige Leiter der Schmerzklinik in Horgen - Teil des See-Spitals mit seinen zwei Standorten in Horgen und Kilchberg - im ambulanten Bereich unkorrekt abgerechnet. Die Leistungserfassung war mangelhaft und Patientendokumentationen wurden lückenhaft geführt. Dennoch: Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten war nie gefährdet, betonten die Spitalverantwortlichen.

Begonnen haben die falschen Abrechnungen laut Spitaldirektor Pfammatter, nachdem Anfang Juni 2012 ein neuer Tarmed-Tarifkatalog für Schmerzbehandlungen festgesetzt worden war. Um wie viel Geld es insgesamt geht, sei noch unklar - man stehe in Vergleichsverhandlungen mit Versicherern.

Walter Bosshard räumte ein, es seien Fehler gemacht worden. Die Schmerzklinik sei zu wenig ins Gesamtspital eingebunden gewesen. Der Klinikleiter unterstand deshalb im ambulanten Teil faktisch nicht der Chefärztin Innere Medizin, wie dies eigentlich vorgesehen war.

Als angestellter Arzt handelte er "autonom wie ein Belegarzt", so Bosshard. "Es herrschte ein Freiraum, der nicht im Sinne des Spitals genutzt wurde." Der Arzt ist mittlerweile nicht mehr im See-Spital tätig.

Bosshard erklärte vor den Medien, er übernehme "die formale Verantwortung für das Gesamtspital." Er steht gerade dafür, dass die Schmerzklinik zu wenig ins Gesamtspital eingebunden war und dafür, dass damit ein Schaden für das Gesamtspital entstanden ist. Als Konsequenz trete er per sofort zurück.

Die Spitalleitung hat aufgrund der Untersuchungsergebnisse umgehend Massnahmen eingeleitet, die teilweise bereits umgesetzt sind. Die Schmerzklinik wurde vollständig in die Organisation des See-Spitals integriert. Neu untersteht auch der ambulante Teil der Schmerzklinik der Aufsicht der Chefärztin Innere Medizin.

Zudem erfolgt neu halbjährlich eine Prüfung der ambulanten medizinischen Dokumentationen und der Leistungserfassungen - mit Bericht an den Stiftungsrat sowie die GD, für beides hat der Stiftungsrat Weisungen erlassen. Und schliesslich wird eine Untersuchung über die Qualitätssicherung am See-Spital vorgenommen.

Laut Stiftungsrat Marazzotta wird nun in den nächsten Tagen eine interimistische, später eine definitive Nachfolge für Bosshard bestimmt. Im übrigen verzichte das Spital darauf, Anzeigen weiter zu verfolgen, die es nach den ersten Veröffentlichung der Vorwürfe gegen einzelne Medien und Privatpersonen eingereicht hat.

apa.at

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