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APA-Artikel 18. September 2015

Demenz und Pflege: Viele Angehörige fühlen sich allein gelassen

Obwohl in Österreich rund 130.000 an Demenz erkrankte Menschen leben, fühlen sich diese und ihre Angehörigen oft völlig allein gelassen und mit der Pflegesituation überlastet. Darauf wies Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich des Alzheimertags (21. September) hin.

Fast jede fünfte Person sei direkt mit Pflegenden in naher Verbindung oder selbst betroffen. "Bei Demenzerkrankungen ist vor allem die doppelte Belastung für pflegende Angehörige ein Thema, da neben körperlichen Änderungen auch Verhaltensänderungen bei den an Demenz erkrankten Personen zu beobachten sind", erklärte Monika Natlacen von der Selbsthilfeorganisation Alzheimer Austria.

Aus einem aktuellen Volkshilfe-Sozialbarometer geht hervor, dass 50 Prozent jener, die zumindest Pflegende einer an Demenz erkrankten Person kennen bzw. von der Pflege selbst betroffen sind, das Angebot - vor allem an psychosozialer Beratung - als nicht ausreichend einschätzen. Tageszentren und Beratung von Angehörigen fehlen nach Meinung der Befragten nach wie vor oder sind häufig nicht leistbar.

Probleme gibt es dem vom Institut Sora mit 1.008 Personen durchgeführten Sozialbarometer zufolge auch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: Zwei Drittel aller Befragten sehen diese nicht oder kaum gegeben, bei den Berufstätigen sind es drei Viertel. Die Volkshilfe ortet daher Handlungsbedarf bei den Unternehmen.

Fenninger und Natlacen fordern neben der besseren Vereinbarkeit von Pflege- und Berufstätigkeit vor allem den Ausbau regionaler Unterstützungsstrukturen, also zum Beispiel von Tagesstätten oder ambulanten Diensten, und die Bereitstellung von Informationen zu Leistungen wie Pflegekarenz. "Es ist wichtig, dass Angehörige sich eigene Freiräume einplanen, ein Helfernetz aufbauen und auf ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden achten, anstatt auf ihre persönlichen Interessen und Prioritäten zu verzichten. Nur wenn es ihnen gut geht, geht es der an Demenz erkrankten Person gut", sagte Natlacen.

Die Volkshilfe selbst betreibt unterschiedliche Einrichtungen für Demenzkranke und hat bereits 2012 die Initiative "Demenzhilfe Österreich" gestartet. Informationen sind im Internet unter der Adresse www.demenz-hilfe.at abrufbar.

apa.at

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