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APA-Artikel 10. September 2015

Hygiene als Thema des ersten Tags der Patientensicherheit

Jedes Jahr erkranken in Europa 4,1 Millionen Patienten an therapieassoziierten Infektionen, also solchen, die im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts entstanden sind. 20 bis 30 Prozent der Infektionen ließen sich durch Hygiene- und Kontrollmaßnahmen verhindern. Diese Zahlen nahm die Plattform Patientensicherheit zum Anlass, um den ersten Tag der Patientensicherheit dem Thema Hygiene zu widmen.

Der internationale Tag der Patientensicherheit findet am 17. September in Österreich, Deutschland und der Schweiz statt. Mit dem Thema Hygiene zur Vermeidung von Infektionskrankheiten will man Bewusstsein dafür schaffen, was Einzelne - inklusive Kranke und deren Angehörige - für die Patientensicherheit tun können. Denn therapieassoziierte Infektionen sind eine ernste Sache: Von den 4,1 Millionen Infektionen verlaufen ungefähr 37.000 tödlich, wie das European Center of Disease Control (ECDC) erhoben hat. Die Präsidentin der Plattform, Brigitte Ettl, wünscht sich, dass professionelle Handhygiene so selbstverständlich wird wie das Anlegen des Sicherheitsgurts beim Autofahren.

Dass im Bereich Patientensicherheit allgemein in den vergangenen Jahren vieles geschehen sei, betonten am Donnerstag Gesundheitsexperten übereinstimmend bei einer Pressekonferenz in Wien. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) sieht im Vergleich der Gegenwart zu jenen Zeiten, in denen sie selbst als Ärztin tätig war, ganze "Welten".

"Was sich in den letzten zehn Jahren getan hat, ist ganz toll", betonte auch Patientenanwalt Gerald Bachinger. Aktuell sei das Thema Hygiene neben Medikation der "Hot Spot" bei der Patientensicherheit. Bachinger sieht mehrfach Verbesserungsmöglichkeiten und legte eine Reihe von Forderungen dar. Dazu gehört die Verbindlichkeit von Qualitätsstandards in Spitälern, die in einem Papier aufgelistet sind, "in dem lauter gescheite Sachen drinstehen", derzeit aber nur als Empfehlung gelten - im Gegensatz zu den Standards im niedergelassenen Bereich, die sehr wohl verbindlich sind.

Der Patientenanwalt urgiert auch ein Meldesystem, dessen Daten Basis für das Erkennen von Verbesserungsmöglichkeiten sei. 700 Menschen pro Jahr sterben in österreichischen Krankenhäuser an Infektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile. Ein Großteil der Fälle wäre nach den Worten Bachingers vermeidbar. "Nur elf von 200 Krankenanstalten sind freiwillig beim Meldesystem dabei. So kann's nicht funktionieren", meinte der Patientenanwalt und äußerte seine Vermutung, dass es sich bei den freiwilligen Teilnehmern ohnehin "um die Guten" handle. Darüber hinaus drängt Bachinger auf Daten-Transparenz: "Ich halte es für unverantwortlich, Patienten in falscher Sicherheit zu wiegen."

Bezüglich Bachingers Forderung nach einer Verbindlichkeit der Qualitätsstandards in Spitälern gingen die Meinungen auseinander: Präsidentin Ettl, ärztliche Direktorin des Krankenhauses Hietzing in Wien, zieht Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung als Schritt zur Akzeptanz vor. "Ich muss die Mitarbeiter auf den Weg mitnehmen", argumentierte sie. Ministerin Oberhauser, einst Turnusärztin unter Oberärztin Ettl: "Wir prüfen, was wir verbindlich machen können." Allerdings sind die Kompetenzen der Gesundheitsministerin beschränkt.

apa.at

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