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APA-Artikel 9. September 2015

Mehr Ärzte-Wissen gegen Sepsis-Sterblichkeit bei Kindern gefordert

Die Todesrate von Kindern bei einer Blutvergiftung könnte nach Ansicht von Fachleuten durch bessere Schulungen von Ärzten erheblich verringert werden. Derzeit sei Sepsis nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache bei Kindern, betonte der Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft, Frank Brunkhorst.

Liege die Sterblichkeit sonst bei etwa zehn Prozent, habe sie in Niedersachsen durch spezielles Training und Betreuung von Ärzten auf ein bis zwei Prozent verringert werden können, schilderte Michael Sasse von der Medizinischen Hochschule Hannover. Sepsis-Experte Brunkhorst ist davon begeistert: "Das ist vorbildlich und sollte auch in anderen Bundesländern Schule machen."

Ursache für eine Sepsis ist eine Infektion durch Bakterien oder Pilze. Dabei gerät die körpereigene Abwehr außer Kontrolle und greift eigenes Gewebe an. Das kann bis zum Versagen lebenswichtiger Organe führen. In Deutschland erkranken laut Brunkhorst jährlich mehr als 175 000 Patienten an einer Sepsis - mit steigender Tendenz. Fast jeder dritte Fall (30 Prozent) endet tödlich. Von diesem Mittwoch an wollten sich rund 1200 Sepsis-Experten aus Deutschland und dem Ausland in Weimar über Behandlungsansätze und Erkenntnisse austauschen. Dabei nehmen sie besonders die Kinder in den Blick.

"Das Überleben des Kindes entscheidet sich in der ersten Stunde der Behandlung", betonte Intensivmediziner Sasse. "Die Krankheit wird oft zu spät erkannt", berichtete er. "Wenn sich die Behandlung um nur eine Stunde verzögert, dann steigt die Sterberate extrem an." Dabei sei die Krankheit bei Kindern eigentlich mit einer "sehr aggressiven und konsequenten Sofortbehandlung" gut in den Griff zu bekommen - unter anderem mit Antibiotika.

In Niedersachsen stünden über das pädiatrische Netzwerk rund um die Uhr Experten für den Notfall bereit. Sie lassen sich bei Bedarf einfliegen oder per Video zuschalten, um den Ärzten vor Ort zu helfen. Zudem werden Weiterbildungen organisiert.

"Bis zu 5 von 1000 Patienten in der Pädiatrie (Kinder- und Jugendmedizin) haben eine schwere Sepsis", erläuterte Sasse. Tendenz steigend. Durch die moderne Medizin sei die Lebenserwartung von Kindern mit chronischen Krankheiten gestiegen - sie seien aber anfälliger für eine Sepsis. Besonders häufig erkrankten auch Frühchen.

Zu erkennen sei eine Sepsis-Erkrankung an Fieber, starker Abgeschlagenheit sowie einem Anstieg der Atem- und Herzfrequenz, sagte Sasse. Bei diesen Symptomen müssten Ärzte und Sanitäter immer auch an eine Sepsis denken, betonte Brunkhorst. Sonst bestehe die Gefahr, dass wertvolle Zeit verstreiche.

apa.at

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