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APA-Artikel 24. August 2015

Alpbacher Gesundheitsgespräche: Zwei-Klassen-Medizin existiert 1

Die von vielen Gesundheitsexperten in Österreich diskutierte "Zwei-Klassen-Medizin" existiert einfach. Die Frage ist, ob es sich nicht um ein komplexes System mit noch viel mehr Schattierungen bei den Möglichkeiten im Zugang zu Gesundheitsversorgung für den Einzelnen handelt, erklärten am Montag Fachleute bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen mit dem Generalthema "Ungleichheit".

"Die 'Zwei-Klassen-Medizin' existiert. Wichtiger ist die Frage nach dem Warum und der Art und Weise, wie sie funktioniert", sagte Judit Simon, Professorin für Gesundheitsökonomie an der MedUni Wien. Die Expertin hat die verschiedensten Gesundheitssysteme nach dem Einfluss von Privatversicherungen etc. durchleuchtet. Da sind Länder wie die Schweiz, Griechenland und die Niederlande, wo es vor allem private Krankenversicherungen gibt. Auf der anderen Seite befinden sich Staaten wie Schweden, Island und die Türkei mit einem Gesundheitswesen aus öffentlichen Geldern. Österreich, Belgien, Kanada und Frankreich wiederum haben ein System der sozialen Krankenversicherung als Basis - mit verschiedenen Möglichkeiten zur Aufzahlung.

Ungleichheit im Zugang zu Gesundheitsleistungen gibt es offenbar überall. Laut OECD sei der Unterschied nach dem Einkommensstatus in einem Land wie Schweden größer als in Österreich, betonte Judit Simon. Doch das grobe Raster der Einkommensunterschiede oder die prinzipielle Konstruktionsart des Gesundheits- und Krankenversicherungswesens sagen wenig aus. "In Österreich sind 22 Prozent der Menschen in irgendeiner Weise privat versichert. Aber nur fünf Prozent der Gesundheitsausgaben kommen aus der Privatversicherung, der Rest wird aus der Tasche heraus bezahlt", sagte die Expertin. Warum, wofür und mit welchem Effekt, das kann eigentlich niemand wirklich wissen.

Rationierung und Regelungen zur "Zuteilung" medizinischer Leistungen für bestimmte Personen sind ein Kernfaktor jedes Gesundheitswesens, wie die Gesundheitsökonomin erklärte. Das Gesundheitswesen weise - zum Beispiel weil Ärzte sowohl Besteller als auch Bereitsteller von Leistungen sind - immanent ein Marktversagen auf, das einfach Regulative erfordere. Das könne über Zuzahlungen erfolgen oder über Wartezeiten auf diagnostische oder therapeutische Interventionen.

Dies trifft auch das von manchen Gesundheitsökonomen und Health Technology Assessment-Experten so hoch gelobte staatliche britische Gesundheitssystem (NHS). Judit Simon erläuterte: "In Großbritannien sind acht Prozent der Bevölkerung aus dem NHS ausgetreten und haben sich ausschließlich privat krankenversichert. Ihnen waren die Wartezeiten einfach zu lang." Und wahrscheinlich bedeuten in vielen Staaten Bildung und sozialer Status entscheidendere Faktoren beim Zugang zum Gesundheitswesen als allein das Geld.

apa.at

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