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APA-Artikel 24. August 2015

Alpbacher Gesundheitsgespräche: Gesundheit und Soziales

Armut macht krank, Reichtum macht oft gesünder. Insgesamt sind Gesundheit wie Krankheit zu einem hohen Maß durch soziale Faktoren bestimmt. Auch deshalb finden die diesjährigen Gesundheitsgespräche des Europäischen Forum Alpbach (23. bis 25. August) unter dem Motto "Ungleichheit macht krank - Krankheit macht ungleich" statt. Eröffnet wird die Veranstaltung heute, Sonntag, am späten Nachmittag,

Zu den traditionsreichen Gesundheitsgesprächen mit dem Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) als Co-Organisator finden sich jährlich in Alpbach in- und ausländische Wissenschafter, Repräsentanten der Gesundheitspolitik, Vertreter von Selbsthilfegruppen und der verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen ein. "Gesundheitspolitik zwischen Nanny-Staat und Neoliberalismus" ist das Thema der ersten Plenardebatte heute, am Tag der Eröffnung, mit Scott L. Greer (Policy School of Public Health, University of Michigan/USA), Kajsa Wilhelmsson (Health Policy & Market Access, Daniel J Edelman Ltd, London) und dem EU-Gesundheitspolitik-Experten Nick Fahy (Nick Fahy Consulting Ltd.).

Jedem Menschen ist klar, dass es ein riesiges Gesundheitsgefälle zwischen den reichen und den armen Staaten der Erde gibt. Wie groß, zumeist wenig von der Öffentlichkeit beachtet, es selbst in einem der reichsten Länder der Welt - in Österreich - ist, zeigt ein einziges Beispiel: Die Lebenserwartung ist im Durchschnitt in Wien-Brigittenau um vier Jahre geringer als in Wien-Döbling. Darauf hat schon vor einiger Zeit auch ÖVP-Gesundheitssprecher und Arzt Erwin Rasinger hingewiesen. Die Lebenserwartung in den Städten ist - trotz einer größeren Ärztedichte - niedriger als am Land. Bildung, Lebensumstände, Arbeitswelt und Einkommen sind neben der individuellen Genetik die hauptsächlichen Grundbedingungen.

Das sicherlich zu einem guten Teil zu Recht im internationalen Vergleich als "sozial" und "solidarisch" anzusehende österreichische Gesundheitswesen verringert krasse Unterschiede in der Gesundheitsversorgung - wie zum Beispiel in den USA. Doch von einem immer gerechten Ausgleich der Unterschiede zwischen Arm und Reich kann trotzdem nicht gesprochen werden. Darauf hat vor wenigen Tagen auch die österreichische Armutskonferenz in einem Bericht über "Lücken und Barrieren im österreichischen Gesundheitssystem aus Sicht von Armutsbetroffenen" hingewiesen.

"Zweiklassenmedizin - die schleichende Ungleichheit?", die "Sozialen Determinanten unserer Gesundheit", Umweltfaktoren und auch die Situation von Randgruppen werden dieses Jahr in Alpbach bei den Gesundheitsgesprächen diskutiert. Dies erfolgt auch in Breakout-Sessions. Vorgestellt werden dabei auch einige der wichtigsten Gesundheitsinitiativen für die Ärmsten in Österreich: zum Beispiel OBST - Das obdachlosenStreetwork für Akut-Wohnungslose, AmberMed als medizinische Hilfe für nicht Krankenversicherte, Hemayat als Betreuungseinrichtung für Folter- und Kriegsüberlebende sowie unter anderem die Initiative MiMi von Migranten für Migranten.

Wie schnell ganze Familien durch die Krankheit eines Angehörigen in die Armut abgleiten können, das werden pflegende Angehörige unter dem Titel "Damit habe ich nicht gerechnet" mit den Teilnehmern diskutieren. Und wer vom abendlichen Begleitprogramm nicht zu sehr beansprucht ist, kann am 25. August gleich um 4.30 Uhr in der Früh mit Alpinist Peter Habeler zum Sonnenaufgang auf den Gratlspitz aufbrechen.

apa.at

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