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APA-Artikel 19. August 2015

Asyl - Kinderpsychiater fordern sofortige Hilfe

Österreichs Kinder- und Jugendpsychiater fordern eine therapeutische Akutversorgung für Kinder und Jugendliche, die in Österreich als Flüchtlinge ankommen. Ein Essen und ein "Dach über dem Kopf" seien Selbstverständlichkeiten. Das gleiche sollte für therapeutische Interventionen für die Traumatisierten gelten. Die Fachgesellschaft (ÖGKJP) hat einen Offenen Brief mit Forderungen veröffentlicht.

"Wenn ein Lawinenunglück wie in Galtür vor Jahren geschieht, gibt es sofort Hilfe für die Traumatisierten. Das ist schriftlich festgelegt. Da gibt es klare Konzepte und Krisenteams. Das funktioniert und wirkt. Solche Hilfe und Betreuung muss es auch für die traumatisierten Kinder und Jugendlichen geben, die als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen", sagte der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Andreas Karwautz, gegenüber der APA.

Die Fachgesellschaft schreibt in ihrem Offenen Brief unter anderem: "Aus psychotraumatologischer Sicht wissen wir, dass diese therapeutische Hilfe so rasch wie möglich zu erfolgen hat, um Langzeitfolgen sowohl bei den Betroffenen als auch später bei deren Kindern abzufangen. Das Auftreten von Traumafolgestörungen ist bei den derzeit täglich in unserem Land eintreffenden Flüchtlingen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten."

In Österreich gibt es, wie Karwautz betonte, sehr gute Institutionen, die täglich traumatisierte Kinder versorgen: "Flüchtlingskinder haben die selben Rechte wie die österreichischen Kinder." Ganz konkret empfehle man als Sofortmaßnahme eine Aufstockung der Finanzierung von Kontingenten professioneller Helferinnen und Helfer, die seit Jahren erfolgreich psycho- und traumatherapeutisch mit Minderjährigen arbeiten. Diese Experten stammen von den Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, von Ambulatorien, jugendpsychiatrischen Diensten und Einrichtungen zur psychotherapeutischen Krisenintervention.

Ganz besonders müsse man sich um unbegleitete Kinder und Jugendliche als Flüchtlinge kümmern. "Die anderen haben ja noch einen Vater oder eine Mutter oder sonstige Verwandte. Sie sind in einer Situation, die schlimm genug ist. Aber die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen benötigen ganz dringend eine therapeutische Begleitung", sagte der Experte.

Seit Jahrzehnten ist völlig klar, dass psychische Traumata bei mangelnder Betreuung und Behandlung schwerste psychische Langzeitschäden verursachen, die sogar quasi "vererbt" werden können. Karwautz wies darauf hin, dass Österreich - denn die Kriegsflüchtlinge wollen ja auch hier bleiben - eben mit diesen Langzeitfolgen zu kämpfen haben werde, wenn nicht sofort Hilfe geboten wird.

Die Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie in ihrem Offenen Brief: "Der aktuelle Bericht von Amnesty International über Traiskirchen zeigt, dass - unabhängig von allen anderen Umständen - während der letzten Monate die Aufgabe der psychotherapeutischen Akutversorgung der durch Krieg und Flucht traumatisierten jungen Menschen leider gar nicht erfüllt wurde. Das ist sehr bedauerlich und angesichts unseres Wissens nicht weiter zu verantworten."

Man wolle nicht moralisieren, sondern dränge auf Hilfe. Dazu müsse auch etwas Geld investiert werden. Nachsatz zur österreichischen Zeitgeschichte: "Wenn auch die Situation der Flüchtlinge ohne Zweifel gesamteuropäisch zu lösen sein wird, ist andererseits ebenso klar, dass Österreich, das seit 1945 über zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat, auch in Segmenten allerhöchster Dringlichkeit derzeit viel zu langsam die notwendigen Schritte setzt."

apa.at

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