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APA-Artikel 18. August 2015

HCB - Experten definierten strenge Richtwerte für Betroffene

Experten der MedUni Wien haben für die vom HCB-Skandal betroffenen Görtschitztaler strenge Lebensmittel-Richtwerte definiert, die einen Abbau des Umweltgifts im menschlichen Körper garantieren sollen. Kärntens Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) rät Betroffenen deshalb, Fleisch aus dem Supermarkt und nicht aus der Region zu kaufen.

Die maßgeschneiderten HCB-Richtwerte für Lebensmittel, die von den Menschen im Görtschitztal konsumiert werden, wurden am Montagabend bei einer Infoveranstaltung in Eberstein präsentiert. Die vorgestellten Werte sind wesentlich niedriger als die EU-Grenzwerte. "Die einzige Möglichkeit, HCB aus dem Körper zu bringen, ist, mehr davon auszuscheiden als aufzunehmen", sagte Hans-Peter Hutter von der MedUni im Gespräch mit der APA. Entscheidend sei die Aufnahme über die Nahrung: "Mehr als 90 Prozent des HCB wird über die Nahrung aufgenommen, der Rest über die Atemluft." Deshalb stellte er die neuen, besonders strengen Richtwerte für die Görtschitztaler vor: "Die Menschen im Görtschitztal sind mehr mit HCB belastet, als andere - deshalb müssen die Werte für die Lebensmittel auch strenger sein, die EU-Grenzwerte reichen dazu nicht aus."

Zur konkreten Gesundheitsgefahr sagte Hutter, dass "keine akute Gefahr" für die Bevölkerung in dem Tal bestehe, auch ein Anstieg an Krebserkrankungen sei durch die HCB-Belastung nicht zu befürchten. Sehr wohl könnte aber zum Beispiel das Enzymsystem in der Leber belastet werden. "Die Leber hat ja die Aufgabe, Belastungen durch chemische Stoffe oder Gifte zu entschärfen. Die Belastung durch das HCB bedeutet nun sicher nicht, dass die Leber zusammenbricht oder schwer geschädigt wird. Das HCB ist aber eine Belastung, die man vermeiden hätte können - und die man jetzt, nachdem man darüber Bescheid weiß, minimieren muss." Und das gehe eben nur über die Aufnahme von gering oder gar nicht belasteten Lebensmitteln.

Obst und Gemüse seien dabei nicht das Problem, sagte Hutter: "Es geht vor allem um Milch und Fleisch, also Produkte, die oft stärker mit HCB belastet sind." Die Werte für das Fleisch, das den Menschen im Görtschitztal empfohlen wird, seien "keine Fantasiezahlen", so Hutter: "Es ist sehr wohl möglich, dass Fleisch- und Milchprodukte hergestellt werden, die unter diesen Richtwerten liegen." Dafür zu sorgen, dass die Menschen auch zu solchen Produkten kommen können, sei nun die Aufgabe des Landes.

Prettner spielt diesen Ball aber vorerst an die Görtschitztaler weiter. Sie empfiehlt, vor allem Obst, Gemüse und pflanzliche Fette - mit Ausnahme von Kürbiskernöl - zu konsumieren. Was die Milch im Görtschitztal angeht, so sei man auf einem "guten Weg", auch die von der MedUni vorgeschlagenen, strengen Richtwerte zu unterschreiten. "Beim Fleisch sind wir momentan in der Situation, dass wir den Görtschitztalern eher zu Fleisch aus den Supermärkten raten", sagte Prettner. Tests hätten ergeben, dass dieses Fleisch fast immer die strengen Richtwerte der MedUni Wien unterschreitet. Was die weiteren Maßnahmen des Landes Kärnten angehe, so habe man um rund 230.000 Euro ein Gerät angekauft, mit dem man selbst den HCB-Gehalt von Lebensmitteln messen könne. "Damit wollen wir unsere Vision verfolgen, laut der das Görtschitztal zu einer Musterregion mit garantiert HCB-freiem Fleisch werden soll", sagte Prettner.

Hutter hält es für sinnvoll, Fleisch aus Supermärkten zu kaufen, sofern die Produkte den Richtwerten entsprechen. Darüber hinaus begrüßte er aber auch eine Forderung von Greenpeace und Global 2000: "Sie sehen vor, ein dichtes Analyse-Netz zu spannen bis man sicher sein kann, dass die Werte im medizinisch tolerierbaren Bereich liegt."

Aktuell wird noch das Fleisch von 182 Bauernhöfe den dem betroffenen Tal beprobt, sagte Albert Kreiner, HCB-Krisenkoordinator des Landes. "Bei diesen Betrieben unterliegt das Fleisch noch strengeren Kontrollen bevor es in den Handel kommt." Die Milch unterliege von Haus aus solchen Kontrollen. Obst und Gemüse aus dem Görtschitztal werde nicht mehr getestet, weil sich schon länger keine HCB-Auffälligkeiten mehr gezeigt hätten.

apa.at

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