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APA-Artikel 18. August 2015

Salzburger starb 2 - Tod des Lehrlings für Zeugen rätselhaft

Der Richter stellte heute wiederholt die Frage, wer denn für die Überwachung der Schmerzpumpe verantwortlich war. Die Beschuldigte sagte, sobald der Patient auf der Station liege, übernehme dort die Abteilung die Überwachung der Pumpe. Sie sei nicht verständigt worden, dass es Probleme mit der Schmerzpumpe gebe.

Ein Unfallchirurg des Krankenhauses, der zur Reanimation des Lehrlings gerufen wurde, sagte, dass die Kompetenz über die Schmerzpumpe grundsätzlich bei der Anästhesie liege. Falls Probleme mit der Pumpe auftauchen würden, müsste die Anästhesie verständigt werden. Wie die Überwachung der Pumpe funktioniere, darüber konnte er keine Angaben machen.

Eine damals diensthabende Turnusärztin wurde ebenfalls als Zeugin einvernommen. Sie schilderte, dass sie um 22.00 Uhr von einer Krankenschwester informiert worden sei, dass der 19-Jährige Fieber habe. Er hätte ein fiebersenkendes Mittel erst um 23.00 Uhr erhalten sollen, sie habe aber angeordnet, dass er das Medikament schon früher bekomme. Um 23.00 Uhr sei ihr von einer Krankenschwester mitgeteilt worden, dass das Fieber zurückgegangen sei. Diese Angaben bestätigte auch eine Diplomkrankenpflegerin im Zeugenstand. Sie sei während der Nacht mehrmals ins Zimmer gekommen, weil ein anderer Patient unruhig gewesen sei, ihr sei bei dem 19-Jährigen aber nichts Ungewöhnliches aufgefallen. Sie glaube aber, dass er geschnarcht habe. Als sie bei ihm nochmals Fieber gemessen habe, habe sie mit ihm geredet. "Er wollte schlafen, er sagte 'es passt alles'."

Um 3.50 Uhr sei sie nochmals im Zimmer gewesen, um 5.15 Uhr sei der Lehrling leblos im Bett gelegen, erzählte die Diplomkrankenschwester. Sie könne sich eine Überdosis an Schmerzmittel nicht erklären, "das frage ich mich auch". "Ich erkläre jedem Patienten die Schmerzpumpe. Ich sage, dass man die Pumpe nicht überdosieren kann, sie sperrt automatisch." Ihr sei gesagt worden, dass der Lehrling am Nachmittag die Station verlassen habe und bis 22.00 Uhr nicht auf der Station gewesen sei, ergänzte die Zeugin noch.

Auch ein mittlerweile pensionierter Primar der Anästhesie erläuterte, dass die Schmerzpumpe "im Prinzip so eingestellt ist, dass es eine Überdosierung nicht geben kann. "Das Restrisiko tendiert gegen Null, wenn alles funktionstüchtig ist". Auch er bestätigte, dass die Aufsicht über die Pumpe zwar die Anästhesie habe, für die "Draufsicht" aber die jeweilige Station zuständig sei. Falls ein Problem auftrete, müsse die Anästhesie gemäß den Richtlinien des Qualitätsmanagements verständigt werden.

Die Tante des Verstorbenen erzählte sehr betroffen, dass sie ihren Neffen um 20.00 Uhr am Handy angerufen und er geschildert habe: "Mir geht's dreckig, tschüss, bis morgen". Zuvor habe sie ihn um 18.00 Uhr noch im Krankenhaus besucht. "Er hat mir nicht gut gefallen. Er sagte, 'es geht mir nicht gut, ich habe Schmerzen'. Er erklärte mir, dass er die Schmerzpumpe selbst betätigen könne, diese aber computergesteuert sei und daher nichts schiefgehen könne." Einem Gerichtsgutachter erschien es rätselhaft, dass der Patient immer wieder null Schmerzen angegeben habe und die Pumpe ab 19.26 Uhr nicht mehr gedrückt wurde. Ob der Prozess heute beendet wird, steht noch nicht fest.

apa.at

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