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APA-Artikel 18. August 2015

Salzburger starb an Schmerzmittel-Überdosis: Ärztin vor Gericht 1

Der Tod eines 19-jährigen Lehrlings vor fünf Jahren wegen einer Schmerzmittel-Überdosis nach einer Routine-Operation in einem Salzburger Spital hat am Dienstag zu einem Prozess am Bezirksgericht Salzburg geführt. Die Staatsanwaltschaft warf einer Anästhesistin fahrlässige Tötung vor. Doch die Ärztin beteuerte ihre Unschuld. Die Einvernahme der Angeklagten und Zeugen warf einige Fragen auf.

Der Lehrling hatte am Freitag, 28. August 2010 am Hanuschplatz in der Salzburger Innenstadt bei einer Schlägerei einen offenen Bruch am rechten Oberarm erlitten. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und am 29. August operiert. Tags darauf konnte er aufstehen, Besuche empfangen und telefonieren. Am drauffolgenden Tag lag er um 5.15 Uhr tot im Bett. Während sich die Ermittlungen zur Todesursache langwierig gestalteten, wurde der 34-jährige Mann, der den Lehrling attackiert hatte, am 12. April 2011 wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten bedingt rechtskräftig schuldig gesprochen.

Laut Strafantrag starb der 19-jährige Salzburger an einer Überdosis des Schmerzmittels Piritramid. Der Tod wurde durch eine Atemlähmung hervorgerufen. Nach der Einholung von mehreren Gutachten kam die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss: Die 48-jährige Anästhesistin hätte den Patienten darüber aufklären müssen, dass eine oftmalige Verwendung der patientengesteuerten Schmerzpumpe lebensbedrohlich sein kann. Insgesamt 78 Mal soll der Patient an der Schmerzpumpe gedrückt haben, 44 mal wurde auch das Schmerzmittel zugeführt. Ein weiterer Vorwurf an die Ärztin lautete: Sie habe keine Atemüberwachungsmaßnahmen gesetzt und auch keine Umprogrammierung der Schmerzpumpe im Falle eines exzessiven Umgangs vorgenommen. Einem Gerichtsgutachten zufolge war die Pumpe nicht defekt.

Die Beschuldigte, die derzeit nach eigenen Angaben keiner Arbeit nachgeht und von ihren Ersparnissen lebt, schilderte Richter Gert Candido, dass sie den Lehrling sehr wohl über die Funktion und Wirkung der Schmerzpumpe aufgeklärt habe. Sie habe ihm nach der Operation im Aufwachraum die Schmerzpumpe angehängt und gesagt, er dürfe nur dann drücken, wenn er Schmerzen empfinde. Wenn er zu viel drücke, würde er müde werden und einschlafen, sagte die Ärztin. Nachdem der Patient auf die Station verlegt worden war, sei sie auch nie kontaktiert worden, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung gewesen wäre.

Aus Sicht von Verteidiger Martin Schuppich hat die Ärztin korrekt gehandelt. Die Schmerzpumpe sei korrekt installiert und befüllt gewesen. Es sei auch kein einziger Fall in der Fachliteratur verzeichnet, bei dem der Tod eines Patienten durch eine Schmerzpumpe verursacht worden wäre. Die Höchstwerte des Schmerzmittels sei bei dem Lehrling am Nachmittag schon erreicht worden, er sei dann aber noch mit seiner Tante spazieren gegangen. Bei einer Überdosis hätte der Tod maximal in einer Stunde eintreten müssen, führte Schuppich aus. Dass der Patient in der folgenden Nacht 40 Grad Fieber bekommen habe, "spricht dafür, dass eine Sepsis todesauslösend war. Das würde aber zu einer Verfahrenseinstellung führen". Auch sei die Angeklagte über 24 Stunden nicht mehr im Dienst gestanden, erklärte der Rechtsanwalt. Er forderte einen Freispruch.

apa.at

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