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APA-Artikel 5. August 2015

Hauptverband über Arzneimittelpreise 2 - Höherer Rabatt gefordert

Auf der anderen Seite waren die Krankenkassen in der jüngeren Vergangenheit bei den Arzneimittelausgaben durch international in der Pharmaindustrie schlagend gewordene Entwicklungen eindeutig begünstigt. Viele Patente liefen ab.

Laut dem Verband der österreichischen Pharmaindustrie (Pharmig) haben sich demnach seit 2008 Patentabläufe (nachfolgend billigere Generika als die Originalpräprate), Preisnachlässe und Solidarbeiträge der Industrie auf Buchungsseite der Krankenkassen mit rund einer Milliarde Euro im Positiven ausgewirkt. Allein weitere Patentabläufe in den kommenden fünf Jahren würden noch einmal 330 Millionen Euro bringen.

Klar ist aber auch, dass es gerade in den vergangenen Jahren besonders viele Patentabläufe von sehr oft verschriebenen Arzneimitteln (z.B. Cholesterinsenker/Statine oder Blutgerinnungshemmer) gegeben hat. Erst in jüngerer Vergangenheit sprang der Nachschub an innovativen Medikamenten - zum Beispiel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C oder für Onkologika - international wieder an.

Laut dem HVB-Chef geben die Krankenkassen in Österreich rund 4,7 Milliarden Euro für die Spitäler aus, für Arzthonorare rund vier Milliarden und 3,2 Milliarden für Heilmittel. Unter Abzug von Mehrwertsteuer (den Krankenkassen refundiert) und der Rezeptgebühr bei den Arzneimitteln bleiben laut Pharmig an Nettokosten (2014) 2,5 Milliarden Euro übrig.

Nun soll eben ein neuer Pharmavertrag her. HVB-Chef Peter McDonald: "Es wurde mit der Pharmawirtschaft ein gemeinsames Paket geschnürt, zu dem beide stehen sollten. Ein Punkt ist die Erhöhung der Rabatte der Industrie für die Krankenkassen von 18 Millionen Euro im Jahr auf 65 Millionen Euro im Jahr sowie eine Preisreduktion von wirkstoffgleichen Medikamenten (Generika; Anm.), die weitere 60 Millionen Euro geringere Kosten für die Versicherungsgemeinschaft bringen würde. Ich weiß, dass das ein großer Schritt ist. Die Pharmawirtschaft hat sich 14 Tage Bedenkzeit ausbedungen. Das Paket ist dort noch nicht mehrheitsfähig, hat man uns mitgeteilt."

Man bleibe offen für Gespräche und Verhandlungen, wenn die "Pharmawirtschaft auf den gemeinsamen Pfad" zurückkehre und ein "dem Umfang nach gleiches Paket vorschlage". McDonald: "In anderen Ländern, zum Beispiel in Deutschland oder Italien, hat man gesetzlich Zwangsrabatte verordnet. Das können wir durch eine tragfähige Vereinbarung verhindern."

Derzeit laufen auch Gespräche der Zahler in den solidarisch aufgebauten Gesundheitssystemen Europas mit der EU-Kommission in Brüssel und mit dem EU-Parlament, um Möglichkeiten für die Gründung einer Struktur für gemeinschaftlichen Arzneimitteleinkauf bei der internationalen Pharmaindustrie sondieren. Hier geht es um eine Gegengewicht zu Angebotsmonopolen. Doch das braucht laut McDonald Zeit, in der Zwischenzeit sollte man innerhalb Österreichs die Kostenentwicklung ausreichend dämpfen, um nicht in Schieflage zu geraten.

Pharmig-Generalsekretär Huber äußerte sich gegenüber der APA so: "Wir sind optimistisch bezüglich einer Einigung. An manchen Stellschrauben muss noch gedreht werden. Die Gespräche sind unterbrochen, sie sind nicht abgebrochen. Die Industrie und der Großhandel bieten für 2016 Solidarbeiträge in Höhe von insgesamt 70 Millionen Euro an, davon fünf Millionen Euro für Präventionsprogramme und Kindergesundheit im Rahmen der Gemeinsamen Gesundheitsziele." Um die vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger ausgemachte Lücke zu schließen, dürfte aber noch die Hälfte fehlen, wenn die "Pharma-Lücke" sich auch als wirklich so hoch herausstellt.

apa.at

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