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APA-Artikel 5. August 2015

Hauptverband über Arzneimittelpreise besorgt 1

Bis Ende 2015 soll es einen neuen Vertrag zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVB) und der pharmazeutischen Industrie in Sachen Rabatte für von den Kassen bezahlte Medikamente geben. Derzeit sind die Gespräche allerdings unterbrochen, sagten jetzt HVB-Chef Peter McDonald und Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber gegenüber der APA. Es geht um Dutzende Millionen Euro.

"Der geltende Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Wir haben ein hervorragendes Gesundheitssystem. Es steht dafür, auch innovative Arzneimittel schnell und ausreichend unseren Versicherten zur Verfügung zu stellen. Da sind wir international Spitzenreiter. Wir wollen das auch in Zukunft sicherstellen, haben bei erwarteten Steigerungen von zwischen sieben und acht Prozent aber eine prognostizierte 'Pharma-Lücke' zwischen 120 und 150 Millionen Euro allein für das Jahr 2016", sagte McDonald.

Die Zahlen der verschiedenen am Arzneimittelwesen im niedergelassenen Bereich Beteiligten weisen derzeit alle in etwa die gleiche Richtung. Der Hauptverband registrierte laut McDonald im ersten Quartal 2015 eine Steigerung bei den Arzneimittelausgaben von zehn Prozent, im ersten Halbjahr eine von 8,5 Prozent.

Der Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Christian Müller-Uri, nannte für die ersten fünf Monate 2015 eine Kassenumsatzsteigerung von etwa zehn Prozent. Geringer setzte man beim Verband der pharmazeutischen Industrie ( Pharmig) die Steigerungsrate an. Huber: "Es dürften im ersten Halbjahr eher plus 7,5 Prozent sein. Ich glaube, dass wir Ende des Jahres zwischen sechs und sieben Prozent haben werden. Ich teile nicht die Meinung, dass es kommendes Jahr bei den Krankenkassen einen Fehlbetrag durch die Medikamente von 120 bis 150 Millionen Euro geben wird. Da müsste man ja von (Umsatz-)Steigerungen von zwölf bis 13 Prozent ausgehen. Die werden wir nicht haben."

Unbestritten ist bei allen Beteiligten, dass die Zuwächse bei den Arzneimittelausgaben via Kassenrezepte in Österreich in der Vergangenheit jahrelang fast stagniert haben oder nur geringfügig gewachsen sind (2012 in den Apotheken: plus 2,6 Prozent bei annähernd gleicher Inflationsrate; 2013: plus 1,1 Prozent, 2014 dann plus 4,7 Prozent). Für McDonald hat sich die Situation aber gewandelt: "Es kommen derzeit immer mehr innovative Arzneimittel auf den Markt. Sie bieten auch höhere Heilungschancen bei manchen Erkrankungen und eine bessere Lebensqualität. Das wollen wir für unsere Versicherten haben."

Doch derzeit käme man durch deutlich höhere Preise für innovative Arzneimittel in Probleme. Der HVB-Chef: "Unsere Ausgabensteigerungen dürfen mittelfristig die prognostizierten Einnahmenzuwächse von knapp drei Prozent nicht übersteigen, wollen wir unser soziales Sicherheitsnetz nachhaltig erhalten." Um die zu erwartenden "Pharma-Lücke" zu schließen, solle die Industrie mehr als zuletzt zur Kostendämpfung beitragen.

Im Hintergrund der Angelegenheit steht eine seit einigen Jahren deutliche Verlagerung des Preisspektrums für Arzneimittel. Müller-Uri: "Wir hatten bei den niedrig preisigen Arzneimitteln unter 200 Euro pro Packung in den ersten fünf Monaten dieses Jahres einen Umsatzanstieg um 1,13 Prozent, bei den hochpreisigen Arzneimitteln über 200 Euro pro Packung einen Umsatzanstieg um 22 Prozent."

McDonald zitierte HVB-Daten, wonach in jüngerer Vergangenheit der Kostenanteil für Präparate mit einem Packungspreis von mehr als 700 Euro von 15 auf 25 Prozent gestiegen sei. "Manche Arzneimittelpackungen kosten bis zu 40.000 Euro und damit so viel wie ein Mittelklassewagen."

apa.at

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