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APA-Artikel 27. Juli 2015

OPs ohne Medizinstudium - Urteil gegen falschen Schönheitschirurgen

Er spritzte seinen Patienten Botox und Silikon in Lippen, Wangen und Stirn - ohne Arzt zu sein. Fünf Jahre soll er dafür ins Gefängnis, fordert die Staatsanwaltschaft. Jetzt kommt das Urteil.

Ein bisschen Silikon in die Lippen, etwas Botox in die Wangen: Die Patienten kamen zu ihm, um sich das Gesicht verändern zu lassen. Dumm nur, dass der vermeintliche Schönheitschirurg gar kein Arzt war, er hatte sich mit gefälschten Dokumenten und Urkunden einen angeblichen medizinischen Werdegang erschlichen. Mehr als 50 Männer und Frauen ließen sich bei dem 31-Jährigen behandeln, bevor der Schwindel aufflog. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrugs und Missbrauchs von Titeln steht der Mann aus der Oberpfalz vor Gericht, die Staatsanwaltschaft fordert fünf Jahre Haft. Am Montag (27.7.) will das Landgericht Regensburg das Urteil verkünden.

Der Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt und seinen Schwindel bedauert. "Es ist ein Glück, dass ich aufgeflogen bin." Er sei froh, dass nicht noch Schlimmeres passiert sei. Zahlreiche Geschädigte hatten von schmerzhaften Schwellungen und Taubheitsgefühlen berichtet. Einige klagten nach der örtlichen Betäubung gar über Ohnmacht und Herzrasen. "Wir haben es mit einem extrem manipulativen Angeklagten zu tun, der sein gesamtes Umfeld getäuscht hat", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Anders sei es nicht zu erklären, wie so viele Menschen auf den Mann hereinfallen konnten.

Bevor er bei seinen Patienten zur Tat schritt, hatte der Mann zahlreiche OPs am eigenen Leib durchgeführt. "Ich war überzeugt, dass es sichere Behandlungen sind, weil ich sie selbst an mir ausprobiert habe", sagte er vor Gericht. Gutachter attestierten dem Angeklagten eine Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers, er halte sich für hässlich und entstellt. Zudem wurde eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. "Ich war süchtig nach Bewunderung", sagte er. Von den Patienten habe er sie bekommen.

Das Geschäft blühte. Etwa 15 000 Euro habe er pro Monat nach Abzug der Kosten verdient, erklärte der Mann während des Prozesses. Den Ermittlungen zufolge soll er insgesamt mehr als 63 000 Euro kassiert haben. Wie viele Patienten er insgesamt behandelte, wisse er nicht genau. Er erklärte: "Viele ließen sich spontan behandeln."

Aufgedeckt hatte den Schwindel schließlich eine besorgte Mutter aus Österreich. Sie hatte Zweifel am medizinischen Werdegang des Mannes und schaltete die Behörden ein. Wie sich herausstellte, hatte der vermeintliche Schönheitschirurg seine Abiturnote von 2,7 auf 1,4 verbessert und sich mit einem selbst gefertigten Stempel der Universität Regensburg als Facharzt für Plastische Chirurgie ausgewiesen.

apa.at

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