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APA-Artikel 24. Juli 2015

Kinderpalliativteam Steiermark: Begleitung im letzten Lebensabschnitt

Todkranke Kinder - und deren Familien - im letzten Lebensabschnitt zu begleiten zählt zu den größten Herausforderungen: Die Steiermark spielt hier mit ihrem flächendeckenden Angebot in der palliativmedizinischen Versorgung von Kindern in Österreich eine Vorreiterrolle, so der Chef der Landesspitäler, Karlheinz Tscheliessnig, am Freitag bei der Präsentation des "Kinderpalliativteams Steiermark".

In der Steiermark sterben jährlich zwischen 50 und 70 Kinder oder Jugendliche an Stoffwechselerkrankungen, Krebs, Verletzungen, seltenen Erkrankungen oder nach Geburtskomplikationen. Rund dreiviertel der Kinder sterben in einem Krankenhaus und sind unter vier Jahre alt. "Es ist eine unvorstellbare Ausnahmesituation für die Familien", meinte Univ.-Prof. Reinhold Kerbl, Primar der Abteilung für Kinder und Jugendliche am LKH Leoben-Eisenerz. Um die jungen Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten und zu betreuen, wurde das Kinderpalliativteam Steiermark ins Leben gerufen.

Mit Stützpunkten in Leoben und an der Uni-Klinik Graz wird das mobile Angebot flächendeckend ergänzt. "In Leoben gibt es das Angebot seit Ende 2014, zuständig für den Bereich Mur- und Mürztal sowie das Ennstal", so Kerbl. Das Gesamtkonzept für ein ähnliches Konzept für ganz Österreich sei noch nicht fertig, umso erfreulicher sei es, dass in der Steiermark bereits die Umsetzung begonnen habe. In Graz wurde laut Univ.-Prof. Christian Urban übrigens 2004 das erste universitäre Palliativzentrum auf der Onkologie ins Leben gerufen.

"Wir sind das einzig öffentlich finanzierte Kinderpalliativteam in der Republik", sagte Koordinator Johann Baumgartner. Andere seien auf Spenden angewiesen, in der Steiermark nehme die Politik ihre Verantwortung wahr und gehe den Weg der freiwilligen Zahlung. Das Land finanziert das Kinderpalliativteam von 2014 bis Ende 2016 mit jährlich rund 881.000 Euro. Mitte 2016 würden Gespräche über eine weitere mögliche Unterstützung aufgenommen.

Bei einer sogenannten Pflegefahrt zu einer betroffenen Familie sind neben Angehörigen des Teams u.a. auch Diplomsozialarbeiter mit dabei. "Eine psychologische Fachkraft dabei zu haben wäre schön, aber dafür reichen die Mittel nicht", so der Grazer Kinderarzt und Universitätsprofessor Martin Benesch. Man müsse mit mindestens drei bis vier Stunden Betreuung rechnen, ein Gespräch mit Eltern etwa könne man in so einer Situation nicht auf eine Stunde limitieren. Dazu komme noch Vorbereitung und Dokumentation.

Als Arzt müsse man in so einer Situation das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz vergessen, sagte Kerbl: "Der Tod hält sich nicht an Tages- und Nachtzeiten." Er sei sehr stolz auf die vielen engagierten Mitarbeiter.

apa.at

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