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APA-Artikel 20. Juli 2015

Gesundheitsreform - Ärzte sehen Geld als Hauptgrund für Verzögerung

Die Ärztekammer hat am Montag den Vorwurf, für die schleppende Umsetzung der Gesundheitsreform mitverantwortlich zu sein, zurückgewiesen. Präsident Artur Wechselberger machte stattdessen das Geld als einen Hauptgrund für die Verzögerung aus.

Für die neue Primärversorgung mit einem vernetzten Angebot verschiedener Gesundheitsberufe und längeren Öffnungszeiten zur Entlastung der Spitäler brauche es mehr Geld, betonte Wechselberger im Gespräche mit der APA. Wenn diese Ordinationen länger geöffnet sein soll, dann müssten nicht nur die Ärzte mehr Zeit investieren, sondern auch das Praxispersonal müsse länger arbeiten und die Betriebskosten steigen, argumentiert der Ärztekammer-Präsident. Das müsse abgegolten werden. Derzeit gebe es aber im Gegenteil limitierte Honorierungssysteme, wo es für mehr Leistung weniger Geld gebe.

Als zweiten finanziellen Aspekt führte Wechselberger an, dass es einen Stillstand in den Verhandlungen zwischen Sozialversicherungen und Ländern gebe, weil man sich nicht einigen könne, wer die Mittel zur Verfügung stelle. Der Traum der Sozialversicherung, dass die hauptsächlich für die Spitäler verantwortlichen Länder von sich aus mehr Mittel für den niedergelassen Bereich zur Verfügung stellen, werde sich nicht erfüllen. Es wäre die Aufgabe der Sozialversicherungen, den niedergelassenen Bereich zu organisieren und zu finanzieren. Davor hätten sie sich aber in den letzten Jahren "gedrückt", kritisierte Wechselberger.

Als weiteren Grund für die Verzögerungen sieht der Ärztekammer-Präsident eine mangelnde Flexibilität für moderne Zusammenarbeitsformen und das Fehlen von neuen Leistungsangeboten. Er wünscht sich mehr Freiheit für die Leistungserbringer, damit Ärzte etwa Gruppenpraxen nach ihren Vorstellungen organisieren können. Sie müssten die Leistungen so erbringen können, wie sie glauben, dass es ihren Bedürfnissen und jenen der Patienten am besten entspricht, forderte der Standesvertreter.

Den Vorwurf der Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse, Ingrid Reischl, dass es in manchen Bundesländern keine Verhandlungsbereitschaft der Ärztekammer gebe, kann Wechselberger nicht nachvollziehen: "Das kann ich mir nicht vorstellen." Es liege im Interesse der Ärztekammer, die Patientenströme von den Ambulanzen in den niedergelassenen Bereich zu verlagern. Die Ärztekammer fordere seit Jahren einen Ausbau des niedergelassenen Bereichs mit mehr Kassenstellen. Zudem seien die Ambulanzen übervoll und die Belastungen der Ärzte in den Spitälern sehr groß. Der Ärztekammer-Präsident wünscht sie für die neue Primärversorgung allerdings nicht die Errichtung von neuen Zentren sondern nur die Vernetzung von bestehenden Einrichtungen. Dabei gehe es um die Nutzung aller möglichen Formen der Zusammenarbeit.

apa.at

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