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APA-Artikel 7. Juli 2015

Der lange Weg zum Nichtraucherschutz in Österreichs Lokalen

Es wird ernst mit dem Nichtraucherschutz in Österreich in Lokalen. Am Mittwoch wird der Nationalrat das zukünftige Rauchverbot in der Gastronomie beschließen, das ab Mai 2018 dann endgültig Realität werden soll. In jüngster Vergangenheit ist in Österreich der Anteil der Raucher gesunken. Jährlich gibt es aber trotzdem rund 14.000 Todesopfer durch den Tabakkonsum.

Der Nichtraucherschutz in Österreichs Lokalen hat jahrelang für Debatten zwischen Politikern, Gastronomen und Ärzten gesorgt. Initiativen forderten immer wieder das generelle Rauchverbot: Mit der Einigung der Regierung wird dieses vermutlich im Mai 2018 endgültig Realität. Begonnen hat alles mit dem Beschluss der freiwilligen Selbstverpflichtung zur Errichtung von Nichtraucherzonen im Jahr 2004.

6. September 1992: Gesundheitsminister Michael Ausserwinkler (SPÖ) präsentiert in der ORF-"Pressestunde" mehrere Vorhaben gegen das Rauchen. In der Gastronomie sollen demnach Nichtraucherzonen geschaffen werden. Ausserwinkler stellt sich vor, dass zumindest ein Großteil der Betriebe in etwa fünf Jahren die Hälfte der Plätze Nichtrauchern zur Verfügung stellt.

12. August 2004: Die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) und der Obmann der Gastronomiesparte in der Wirtschaftskammer, Helmut Hinterleitner, geben bekannt, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung eingeführt wird. 30 Prozent der heimischen Speiselokale sollen bis Ende 2004 "rauchfreie Zonen" einrichten, bis Ende 2006 soll der Anteil auf 90 Prozent gesteigert werden.

18. April 2007: Das Gesundheitsministerium unter Ressortleiterin Andrea Kdolsky (ÖVP) kündigt an, dass es nach der Evaluierung der freiwilligen Selbstverpflichtung für die räumliche Trennung zwischen Rauchern und Nichtrauchern eine gesetzliche Regelung geben wird.

31. Oktober 2007: Das Vorhaben, mit 1. Jänner 2008 das Tabakgesetz zu verschärfen, scheitert. Es gibt keine Einigung zwischen ÖVP und SPÖ, Kdolsky verzichtet vorläufig auf ein Gesetz. Eine sechsmonatige Nachdenkpause wird vereinbart.

30. April 2008: Die Koalition unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) präsentiert im Ministerrat ihre Bestimmungen zum Nichtraucherschutz. Demnach soll ab 2009 ein grundsätzliches Rauchverbot in der Gastronomie gelten, unter bestimmten Voraussetzungen ist das Rauchen in abgeschlossenen Zimmern aber gestattet.

1. Jänner 2009: Mit dem Tabakgesetz tritt ein "grundsätzliches" Rauchverbot in Lokalen in Kraft. Ausnahmen gibt es allerdings für abgetrennte Raucherzimmer, kleine Gaststätten und Betriebe, die wegen der neuen Regelung einen Umbau durchführen. Wird das Verbot nicht eingehalten, drohen Wirten Pönalen, die bei mehreren Verstößen bis zu 10.000 Euro betragen können.

30. Jänner 2009: EU-Gesundheitskommissarin Androula Vassiliou kritisiert die österreichischen Nichtraucherschutzbestimmungen in der Gastronomie scharf als "nicht zufriedenstellend". Die Erfahrung zeige, dass Rauchergesetze mit vielen Ausnahmeregelungen nicht funktionieren würden.

30. Juni 2010: Die Übergangsfrist für Umbauarbeiten und Sondergenehmigungen ist zu Ende. Somit dürfen Gastronomen Tabakkonsum nur mehr dann erlauben, wenn sie über abgetrennte Raucherzimmer verfügen oder die gesamte Verabreichungsfläche nicht größer als 50 Quadratmeter ist.

13. Jänner 2015: SPÖ und ÖVP einigen sich im Ministerrat: Für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie soll es vor dem Sommer einen Parlamentsbeschluss geben. Man werde nun "Step by Step" ein Gesetz entwickeln, erklärt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ), die eine Realisierung bis spätestens 2018 anpeilte. Die Debatte um ein Rauchverbot wird durch den Tod des Journalisten Kurt Kuch infolge einer Lungenkrebserkrankung Anfang Jänner neu entfacht.

10. April 2015: Die Regierung einigt sich auf ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018. Gesundheitsministerin Oberhauser und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) präsentieren den entsprechenden Gesetzesentwurf, der noch am selben Tag in Begutachtung geht. Betriebe, die freiwillig bereits bis zum Juli 2016 auf rauchfrei umstellen, können als besonderen Anreiz eine "Prämie" in Höhe des Restbuchwerts erhalten.

Die Österreicher greifen an sich immer seltener zum Glimmstängel. In den vergangenen drei Jahren ist der Tabakkonsum um sieben Prozentpunkte zurückgegangen, weiterhin raucht jedoch ein gutes Viertel (26 Prozent) der Bevölkerung, wie aus einer vor kurzem veröffentlichten Befragung des EU-Statistikamts hervorging.

Österreich liegt damit im exakt im europäischen Durchschnitt von ebenfalls 26 Prozent Raucheranteil. Die Unterschiede zwischen den Staaten sind beträchtlich: So ist der Griff zum Glimmstängel in Griechenland (38 Prozent) und Bulgarien (35 Prozent) weiterhin überdurchschnittlich hoch, während die Schweden (11 Prozent) und Finnen (19 Prozent) dem blauen Dunst zunehmend den Rücken kehren. Mit dem Qualmen aufzuhören, ist ein Schritt, an dem bereits fast die Hälfte (46 Prozent) der österreichischen Raucher bereits einmal gescheitert sind, davon zehn Prozent in den vergangenen zwölf Monaten.

Laut wissenschaftlichen Studien wirkt sich ein Rauchverbot am schnellsten in der Gastronomie bei den akuten Herzkreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel beim Herzinfarkt, aus. Bei der tödlichsten Raucherkrankheit, dem Lungenkarzinom, ist ein Effekt erst auf längere Sicht zu erwarten.

apa.at

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