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APA-Artikel 6. Juli 2015

Pflege: Neue Ausbildung könnte vor Sommer in Begutachtung gehen

Die Verhandlungen zur Neuordnung der Ausbildung im Pflege-Sektor könnten nun doch rascher zu einem Ergebnis führen als zuletzt vermutet. Das Gesundheitsministerium hofft, noch vor dem Sommer im Begutachtung gehen zu können. Pflegefachkräfte sollen damit künftig über drei Modelle ausgebildet werden, für den gehobenen Dienst ist die Ausbildung ausschließlich im akademischen Bereich vorgesehen.

Derzeit liegt ein sogenannter Vor-Entwurf für die geplante Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) bei den Bundesländern, die eine Bedarfs- und Kostenabschätzung treffen sollen. Das zuständigen Gesundheitsressort hat diese Woche nach eigenen Angaben "konstruktive Gespräche" mit dem Koalitionspartner geführt. Dabei seien zwar noch einige Punkte offen geblieben, man sei sich aber so weit näher gekommen, dass man hoffe, noch vor dem Sommer in Begutachtung gehen zu können, hieß es gegenüber der APA.

Fix ist, dass die Ausbildung künftig über drei Schienen laufen soll: Statt der bisherigen Pflegehilfe ist die Schaffung einer Ausbildung zur Pflege-Assistenz vorgesehen. Wie schon bisher die Pflegehelfer soll die Ausbildung dieses neuen Berufsfelds an den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen und den Schulen für medizinische Assistenzberufe erfolgen. Die Dauer dieser Ausbildung soll ein Jahr betragen.

Als wichtige Neuerung gilt die Festlegung, dass Pflege-Assistenten künftig von administrativen, hauswirtschaftlichen und logistischen Tätigkeiten ausgenommen sein sollen. Hilfstätigkeiten wie etwa Geschirrwegräumen sollen künftig ausschließlich von nicht-medizinischem Personal durchgeführt werden.

Neben der Pflegeassistenz ist auch die Schaffung einer "Pflege-Fachassistenz" vorgesehen, die mehr Kompetenzen haben wird als die Assistenz-Kraft. Die Ausbildung soll an selber Stelle wie jene zur Pflege-Assistenz stattfinden. Dauern wird diese Ausbildung zwei Jahre; außerdem soll sie durchlässig sein, für Pflege-Assistenten soll also die Weiterbildung zur Fachassistenz möglich sein.

Die gehobenen Pflegefachkräfte (derzeit "diplomierte Pflegekräfte") sollen künftig ausschließlich im akademischen Bereich an Fachhochschulen ausgebildet werden. Zwar ist auch jetzt schon eine Ausbildung an Fachhochschulen möglich, sie erfolgt aber auch noch parallel dazu an den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen.

Inwieweit auch eine Kompetenz-Erweiterung für die Pflegekräfte vorgesehen ist, ist derzeit noch unklar. Gewünscht wird etwa seitens der Pflegedirektoren Österreichs, dass die Pflegefachkräfte auch Verordnungen für Pflegeartikel (etwa Inkontinenz-Produkte oder sonstige medizinische Hilfsmittel) verschreiben können. Derzeit ist dies nur Ärzten möglich, wie der Vorstand der Pflegedirektoren in Österreich, Karl Schwaiger, im Gespräch mit der APA sagte. Auch die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits-und Krankenpflegeverband (ÖGKV), Ursula Frohner, unterstützt die Bestrebungen, damit Pflegekräfte mehr Kompetenzen übernehmen können, wie das in vielen EU-Ländern schon der Fall sei. Sie betonte gegenüber der APA aber, dass es dafür auch die entsprechende Ausbildung geben müsse. Frohner verwies auch darauf, dass diplomierte Pflegekräfte wegen der reduzierten Ärzte-Arbeitszeiten jetzt schon medizinische Leistungen übernehmen müssen.

Wichtig ist Frohner, dass der Gesetzesentwurf so rechtzeitig in Begutachtung geht, dass die Reform mit 1. Jänner 2016 wirksam werden kann. Schwaiger betonte, er hoffe, dass die vorgesehenen Übergangsfristen nicht zur Dauereinrichtung werden. Laut den bisher durchgesickerten Plänen ist seitens des Gesundheitsressorts geplant, dass bis ins Jahr 2021 die bisherige Ausbildungs-Praxis parallel zur künftigen geführt wird; erst danach ist eine generelle Überführung der Ausbildung der gehobenen Pflegekräfte an die Fachhochschulen vorgesehen.

Schwaiger betonte auch, dass die Schaffung des neuen Berufes der Pflege-Fachassistenz seitens der Pflegedirektoren auch zum Teil kritisch gesehen werde. Denn je mehr Gruppen mit unterschiedlichen Kompetenzen im Gesundheitswesen tätig sind, "desto schwieriger ist das auch in der Realität zu organisieren". Frohner befürwortet zwar die dreistufige Pflege-Ausbildung, auch sie betonte aber die Notwendigkeit, dass die richtige Ausbildung für das jeweilige Versorgungserfordernis gegeben sein müsse.

apa.at

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