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APA-Artikel 1. Juli 2015

Ärzteausbildung - RH sieht vieles im Argen

Wenig positives hat der Rechnungshof (RH) über den Zustand der Ärzteausbildung in Österreich zu vermelden. Für die jüngst beschlossene Reform fehlten Entscheidungsgrundlagen, Anerkennungen von Ausbildungsstätten wurden über Jahre nicht evaluiert, und die Ausbildungsverantwortung in den Spitälern wurde nicht ausreichend wahrgenommen, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Die Bemühungen um eine grundlegende Neugestaltung der Ausbildung bewertete der RH zwar positiv. Irritiert zeigte er sich allerdings, dass seine im Begutachtungsverfahren geäußerte Bedenken nicht berücksichtigt wurden: Etwa an der Regelung bestimmter Inhalte auf der Verordnungs- statt der Gesetzgebungsebene, den für den RH nicht nachvollziehbaren Grundlagen für die Neugestaltung (etwa die Verlängerung der Allgemeinmediziner-Ausbildung um ein Jahr) und die mangelnde Evaluierung.

Wesentliche Daten bzw. Entscheidungsgrundlagen wären aus RH-Sicht etwa erforderlich, um nachhaltig geeignete Voraussetzungen für den Verbleib von Turnusärzten in Österreich zu schaffen. Es sei nicht klar nachvollziehbar, warum so viele Absolventen einen nicht-ärztliche Berufsweg wählen, ins Ausland abwandern oder als Allgemeinmediziner zu weniger als einem Drittel eine eigene Ordination eröffnen.

Bezüglich der Ausbildungsstätten kritisiert der RH die über Jahrzehnte gültigen Anerkennungen, ohne dass Evaluierungen vorgenommen worden wären. In den vergangenen fünf Jahren habe die Österreichische Ärztekammer entgegen den gesetzlichen Vorgaben auch keine Überprüfungen der Ausbildungsqualität vor Ort mehr durchgeführt, "wodurch diesbezüglich jegliche hoheitliche Ausbildungskontrolle fehlte". Dass das neue Gesetz eine siebenjährige Befristung der Anerkennung vorsieht, sieht der RH daher positiv.

Bei der Ausbildungsverantwortung sei das dreistufige System - Krankenanstaltenträger, ärztlicher Leiter, Klinik- bzw. Abteilungsleiter - in keiner der untersuchten Krankenanstalten (AKH Wien, LKH Innsbruck, LK St. Pölten/Lilienfeld, LK Gmünd/Waidhofen/Zwettl) ausreichend wahrgenommen wurde. Es gab kaum Aufgaben- und Tätigkeitsprofile dafür, und die Ausbildungskonzepte reichten mangels Definition von reinen Auflistungen der Module bis zu umfassenden Regelungen.

Über den Erfolg der Ausbildung sind sogenannte Rasterzeugnisse vorzulegen. Die Vorgangsweise bei der Ausstellung entsprachen häufig nicht den Vorgaben der Ärzteausbildungsordnung, kritisierte der RH. Kontrollen seien unzureichend gewesen. Für Evaluierungsgespräche gab es keine Dokumentation.

Die Höhe der Turnusärztegehälter war laut RH intransparent und konnte nur unter Zuhilfenahme von Modellrechnungen vergleichbar gemacht werden. Die Jahresgehälter lagen demnach 2014 zwischen 60.400 und 75.300 Euro.

apa.at

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