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APA-Artikel 30. Juni 2015

Krankenhaus Nord wird um 95 Millionen Euro teurer als geplant

Das Krankenhaus Nord wird um zehn Prozent und damit um gut 95 Millionen Euro teurer als geplant. Auch die Fertigstellung verzögert sich von ursprünglich 2016 auf Juni 2017. Grund dafür sind Fehler in der Statikberechnung sowie der Konkurs einer Fassadenbaufirma bzw. die daraus entstehenden Folgekosten. Allerdings: Die Hälfte der Mehrkosten will sich der Krankenanstaltenverbund (KAV) zurückholen.

"Circa die Hälfte der Mehrkosten können wir direkt einem Verursacher zuordnen. Daher gehen wir davon aus, dass sie durch Schadenersatzansprüche und Versicherung an den KAV zurückfließen", erklärte Thomas Balazs, stellvertretender Generaldirektor des KAV, am Dienstag bei einem Pressegespräch. Bisher habe man bereits zwölf Versicherungsmeldungen sowie eine Feststellungsklage gegen die Firma, die fehlerhafte Statikberechnungen angestellt hat, eingereicht. Zuletzt war man von einer Kostensteigerung von lediglich bis zu fünf Prozent ausgegangen. Ursprünglich waren für das Riesenprojekt 954 Millionen Euro veranschlagt gewesen - mit Mehrkosten von zehn Prozent kommt der Gesamtbetrag nun auf 1,049 Milliarden Euro.

"Die Verzögerungen liegen nicht in der Verantwortung des KAV", betonte Balazs. Man habe umgehend darauf reagiert und die Bauherrenrolle des KAV sowie das Controlling verstärkt, erklärte er. Mit weiteren Mehrkosten rechne er derzeit nicht. "Die gesamten Auswirkungen werden wir aber erst bei der Schlussrechnung sehen", so der stellvertretende KAV-Chef. Zudem könne auf so einer riesigen Baustelle "immer etwas passieren".

Derzeit läuft auch das Clearing-Verfahren mit den Firmen, die für den Einbau der Haustechnik verantwortlich sind. Es soll im Sommer abgeschlossen sein und nicht nur den endgültigen Schaden beziffern, den die Haustechnikfirmen aufgrund der Verzögerungen geltend machen, sondern auch einen neuen verbindlichen Zeitplan fixieren. Die Gespräche liefen gut, bestätigte auch ein Sprecher des Haustechnik-Konsortiums gegenüber der APA. Momentan wird an Fassade und Innenausbau sowie Haustechnik gearbeitet, erklärte Balazs. Die Fassade soll noch dieses Jahr fertig werden. Immer wieder kolportierte Gerüchte, es gebe weitere Probleme auf der Riesenbaustelle - etwa Risse im Fundament - wiesen KAV-Vertreter sowie Architekt Albert Wimmer heute zurück.

Spatenstich für das Projekt war im Sommer 2012, Dachgleiche feierte man 2014. Derzeit wird an Fassade und Innenausbau gearbeitet, 500 bis 700 Arbeiter sind täglich auf der Baustelle. Beispielsweise die "Piazza", die den Eingangsbereich vor dem Spital bildet, ist schon zu erkennen. Sie ist nicht nur mit schirmartigen Gebilden ausgestattet, die für den Wetterschutz sorgen, sondern wird auch noch mit Bäumen bepflanzt. All das ist ebenso wie lichtdurchflutete Räume, große Ein- und Zweibettzimmer mit Sitzgelegenheiten an den tiefen Fenstern, kurzen Wegen sowie der Gartenanlage Teil des Konzepts "Wohlfühlspital", wie Architekt Wimmer schilderte.

Auch auf der Baustelle wird auf Naturverträglichkeit geachtet - so sind am Gelände verteilt etwa 50 Nistkästen für Turmfalken, Schwalben, Mauersegler oder Fledermäuse angebracht, die hier ihren Lebensraum haben. Auch die Bäume, die am früheren ÖBB-Gelände gestanden sind müssen nach Abschluss der Bauarbeiten wieder ersetzt werden. Deshalb bekommt das KH Nord auch ein "waldähnliches Habitat". Auch der Hubschrauberlandeplatz am Dach, die Hochparkgarage und vor allem der Bauteil Mars, der später Ordinationen von niedergelassenen Ärzten beherbergen wird, haben schon konkrete Züge angenommen.

Das KH Nord wird zudem ein Ausbildungszentrum und Hörsäle beherbergen. 2.500 Menschen werden hier künftig arbeiten, derzeit rechnet man mit 250.000 Ambulanzbesuchen, 46.000 stationären Aufnahmen bzw. 17.000 Eingriffen im Jahr. 785 Betten stehen zur Verfügung. Das Grundstück ist 111.000 Quadratmeter groß und derzeit zu gut 40 Prozent verbaut - es gibt also auch Platz für mögliche Erweiterungen.

apa.at

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