zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 24. Juni 2015

Niedersachsen fordert kostenlose Dolmetscher für Flüchtlingstherapien

Flüchtlinge sind oft traumatisiert. Fehlende Deutschkenntnisse verhindern aber meist eine Aufarbeitung der schrecklichen Erlebnisse. Dolmetscher könnten helfen, kosten aber Geld. Niedersachsen will das ändern und sieht den Bund sowie die Krankenkassen in der Pflicht.

Flüchtlingen in Deutschland soll nach Ansicht des Landes Niedersachsen künftig bei Bedarf kostenlos ein Dolmetscher für Psychotherapien an die Seite gestellt werden. "Wir sehen den Bedarf, weil wir feststellen, dass immer mehr Flüchtlinge, die zu uns kommen, stark traumatisiert sind", sagte die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Bei der am Mittwoch im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim beginnenden Konferenz der Gesundheitsminister fordert Niedersachsen deshalb in einem Antrag die Kostenübernahme durch die Bundesregierung beziehungsweise durch die gesetzlichen Krankenkassen.

In der Psychotherapie sei der Bedarf an Dolmetschern für Flüchtlinge am größten, betonte Rundt. "Da geht es nicht um Knochenbrüche, die auch anders festzustellen sind. Sprache ist hier zur Erkennung und Heilung besonders wichtig." Perspektivisch müsse die Kostenübernahme für Dolmetscher aber auch auf andere Arztbesuche erweitert werden.

Um keine Zeit bei der Änderung der rechtlichen Bestimmungen für die Übernahme der Dolmetscherkosten zu verlieren, müsse laut Rundt zunächst der Bund die Übernahme der Dolmetscherkosten im Rahmen eines bundesweiten Modellvorhabens erproben.

In einem zweiten Schritt müsse dann basierend auf den dort gewonnenen Erkenntnissen der Frage nachgegangen werden, wie eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen möglich wäre. "Aufgrund der stark steigenden Flüchtlingszahlen besteht akuter Handlungsbedarf. Ich würde mir wünschen, wenn der Bund bis zum Jahresende Klarheit schafft", sagte Rundt.

Wie hoch die Kosten für Bund und Kassen seien, lasse sich derzeit nicht sagen. "Wir gehen davon aus, dass sich ein Teil der Therapiebedürftigen derzeit wegen der abschreckenden Kosten noch gar nicht behandeln lässt", sagte Rundt. Ob sie bei der Konferenz die Mehrheit der Länder dem Antrag zustimme, sei leider noch nicht klar.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben