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APA-Artikel 23. Juni 2015

Video-Dolmetsch-Service - Gut für Patienten - Sicherheit für Ärzte

Wer schon einmal im Ausland krank geworden ist, weiß um diese Probleme: Kommunikation mit Ärzten und Pflegepersonal. So geht es Menschen mit Migrationshintergrund, Gehörlosen und anderen Personen mit Verständigungsschwierigkeiten in Österreich täglich. Dem soll professioneller Video-Dolmetsch-Service in Spitälern und Arztpraxen abhelfen.

Die Österreichische Plattform für Patientensicherheit, das Gesundheitsministerium und das Wiener Institut für Ethik und Recht in der Medizin der Universität haben deshalb bereits vor einiger Zeit das Projekt eines Konsekutiv-Dolmetschdienstes für Spitalsambulanzen, Arztordinationen, Rehab- und Pflegeinstitutionen initiiert und getestet.

Der Hintergrund: Sehr viele Beschwerden im Rahmen der medizinischen Behandlung, die zum Beispiel bei Patientenanwälten und/oder gar bei Gericht landen, beruhen auf Kommunikationsproblemen. Viele Beschwerdeführer haben Migrationshintergrund. In Österreich haben rund 20 Prozent der Einwohner Migrationshintergrund, es handelt sich um weit mehr als eine Million Menschen. Neben oft vorliegender sozialer Benachteiligung bildet die Sprachbarriere ein großes Hindernis für den Zugang zum Gesundheitswesen.

Das Gesundheitswesen wiederum kann sich nicht "ausreden", dass sozusagen eine "Bringschuld" für Verständnis bei den Konsumenten läge: Abgesehen von akuten, lebensbedrohlichen Notfällen kann nur ein ausreichend aufgeklärter Patient seine Einwilligung zu einer Heilbehandlung geben. Kommt das nicht zustande, drohen straf- und privatrechtliche Haftung - für Arzt, Spital etc.

"Kann ein Patient aufgrund von Sprachbarrieren nicht oder nicht ausreichend aufgeklärt werden und wird ohne Vorliegen eines Notfalls trotzdem behandelt, macht sich der behandelnde Arzt gemäß Paragraf 110 StGB (eigenmächtige Heilbehandlung) strafbar", schrieben die Proponenten des Video-Dolmetsch-Pilotprojektes im März 2015 im Endbericht zum ersten Praxistest des Systems. Abgesehen davon hat in Österreich jeder Mensch - unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Religion etc. - Anspruch auf gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen. Das Abweisen von Hilfesuchenden kann demnach nicht die Lösung des Problems sein.

In der Medizin - im Spital, in Ambulanzen, beim niedergelassenen Arzt, in Pflege- und Rehab-Einrichtungen - greift man hier oft zu schlechten Behelfen: Beiziehung sprachkundiger anderer Dienstnehmer der jeweiligen Einrichtung, Angehörige oder gar Kinder. Alles das ist häufig mit Fehlern und unzumutbaren Belastungen (schwere Erkrankungen etc.) behaftet.

Der Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger, sagte dazu am Dienstag bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Video-Dolmetsch-Systems in einer Wiener Arztpraxis: "Für mich ist so ein Vorgehen nichts anderes als ein Dahinwursteln und der Versuch, eine konkrete Situation mit 'Bordmitteln' irgendwie zu bewältigen." Professionelle Systeme würden den Behandlungserfolg verbessern, Komplikationen und Folgekosten verringern.

Der am Dienstag in Wien in der Arztpraxis vorgestellte Service hat in Deutschland bereits Anklang gefunden. Am 9. Juli startet er in Potsdam im Krankenhaus, am 20. Juli an der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf.

apa.at

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