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APA-Artikel 16. Juni 2015

Hälfte der Vbg. Turnusärzte könnte Land nach Ausbildung verlassen

Rund 54 Prozent der Vorarlberger Turnusärzte spielen mit dem Gedanken, nach der Ausbildung das Ländle zu verlassen und in einem anderen Bundesland oder im Ausland ihren Beruf auszuüben. Das ist eines der Ergebnisse einer Befragung unter 118 Turnusärzten im Auftrag der Vorarlberger Ärztekammer. Erneut positiver beurteilten die Jungmediziner die Ausbildung an den Vorarlberger Krankenhäusern.

Als Gründe für ihre Abwanderungstendenzen gaben die Befragten die Familie, den Wunsch nach Rückkehr in ihre Heimat und die hohen Lebenshaltungskosten in Vorarlberg an. Von den 118 Teilnehmern der Studie stammten nur 26,3 Prozent aus Vorarlberg, 52,6 Prozent kamen aus anderen österreichischen Bundesländern und 21,2 Prozent aus dem Ausland.

Hermann Blaßnig, Sprecher der Spitalsärzte, bezeichnete diese Entwicklung am Dienstag als "alles andere als motivierend". Junge Menschen seien heute sehr mobil und flexibel. "Sie schauen sich an, wo sie die besten Bedingungen vorfinden und machen sich dort sesshaft", betonte Blaßnig. Für die Fachärzte als Ausbildner sei es allerdings "das schlimmste, wenn ihre Schützlinge nach der Ausbildung weggehen".

In punkto Ausbildung bescheinigten die Vorarlberger Turnusärzte den Landeskrankenhäusern eine erfreuliche Entwicklung in vielen Punkten. Sehr positiv wurden etwa das Tätigkeitsprofil der Turnusärzte, das Budget für Aus- und Weiterbildung und die persönliche Einführung in den Turnus durch die Oberärzte angeführt. Heftig bemängelt wurde hingegen die Zeit, die Fachärzte für die Ausbildung der jungen Mediziner bereitstellen, sowie die allgemeinen Personalressourcen für die Ausbildung. "Uns Fachärzten fehlt einfach die Zeit", argumentierte Blaßnig. Die Arbeitslast und der Druck seien so hoch, dass "wir uns oft nicht angemessen um die Turnusärzte kümmern können".

Dies habe zur Folge, dass die auszubildenden Ärzte oft nicht in Operationen eingebunden würden, berichtete auch Turnusärztesprecher Patrick Clemens. Das Sammeln von Erfahrung bleibe auf der Strecke. "Sie (Anm.: die Turnusärzte) sind somit nicht in der Lage, eigenständige Arbeiten durchzuführen", sagte Clemens. Zudem ginge sehr viel Zeit für die Dokumentation von Patientenakten drauf. In dieser Zeit finde ebenfalls keine Ausbildung statt.

apa.at

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