zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 9. Juni 2015

Schweiz: Keine Einigkeit beim elektronischen Patientendossier

Der Ständerat hält daran fest, dass nur stationäre Einrichtungen wie Spitäler und Pflegeheime verpflichtet sein sollen, ein elektronisches Patientendossier anzubieten. Das hat er am Dienstag einstimmig beschlossen.

Patienten sowie Ärzte und andere Leistungserbringer im ambulanten Bereich sollen sich freiwillig für ein elektronisches Patientendossier entscheiden können. Der Ständerat folgt damit den Anträgen des Bundesrats. Der Nationalrat dagegen will sämtliche Leistungserbringer im Gesundheitswesen zum Mitmachen verpflichten, während die Sammlung von Gesundheitsdaten für Patienten freiwillig bleiben würde.

In der grossen Kammer hatten die Gegner erfolglos davor gewarnt, dass der Beteiligungszwang die Akzeptanz der Vorlage gefährde. Der Ständerat hingegen stellte sich geschlossen gegen die Pflicht für ambulante Leistungserbringer.

Gesundheitsminister Alain Berset erinnerte an die geplanten finanziellen Anreize, zudem seien stationäre Einrichtungen zum Mitmachen verpflichtet. "Damit ist sichergestellt, dass sich das elektronische Patientendossier dort durchsetzt, wo es nötig ist", sagte er.

Der Ständerat verwarf auch die vom Nationalrat von 5 auf 10 Jahre verlängerte Übergangsfrist bis zum Inkrafttreten. Bis dahin hätten technische Entwicklungen die Gesetzgebung längst überholt, sagte Kommissionssprecherin Liliane Maury Pasquier (SP/GE). Auch nach Ansicht von Berset ist die Frist "unrealistisch" und gefährdet das ganze Projekt.

Eine weitere Differenz betrifft die Datenbearbeitung durch das Personal öffentlich-rechtlicher Einrichtungen und kantonaler Einrichtungen. Die Vorlage geht nun wieder an den Nationalrat.

Im Grundsatz ist die Einführung des elektronischen Patientendossiers in beiden Räten unbestritten. Dank diesem würden medizinische Daten jederzeit und überall zur Verfügung stehen, was die Qualität der Behandlung verbessern soll. So kann zum Beispiel verhindert werden, dass Untersuchungen doppelt durchgeführt werden oder dass ein Arzt eine suboptimale Therapie verordnet, weil er nicht die ganze Krankengeschichte kennt.

Um die Einführung des elektronischen Patientendossiers voranzutreiben, soll der Bund finanzielle Anreize setzen können. Vorgesehen ist eine Finanzhilfe von 30 Millionen Franken über drei Jahre. Damit soll der Aufbau und die Zertifizierung von Zusammenschlüssen aus Arztpraxen, Apotheken, Spitälern oder Spitexorganisationen unterstützt werden.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben